Wulz nach Akademikerball: "Vorwürfe total absurd"

31. Jänner 2014, 18:40
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Ehemalige ÖH-Vorsitzende nach Teilnahme an Demo unter Beschuss

Wien - Die ehemalige grüne ÖH-Vorsitzende Janine Wulz ist verunsichert. Am liebsten wolle sie "gar nichts mehr sagen". Seit Tagen ist sie gemeinsam mit anderen Teilnehmerinnen der Anti-Akademikerball-Demo wie der Studentenvertreterin Julia Spacil vom VSSTÖ und den Jungen Grünen unter Beschuss. Der Vorwurf, der von der FPÖ und auch in einigen Medien laut wird: Die grüne und die rote Jugend seien schuld an den Ausschreitungen Freitagnacht in der Wiener Innenstadt. Für Wulz sind diese Vorwürfe "total absurd, sie sollen dazu dienen, den Diskurs gegen Antifaschismus weiter anzufeuern".

Zuletzt berichtete der "Kurier" in seiner Freitagsausgabe, dass die Polizei im Umfeld von ÖH-Politikerinnen ermittle. Wulz und Spacil werden in dem Artikel wie Agentinnen eines illegalen Netzwerks beschrieben, die Kontakte "zur deutschen Szene" hätten.

Die "Szene", in der man sich unter anderem herumtrieb, sind etwa Organisatoren von großen Demonstrationen gegen Neonazis wie jener in Dresden. Die antifaschistischen Demos dort führten schließlich dazu, dass der größte Neonazi-Aufmarsch im deutschsprachigen Raum im Jahr 2014 nicht mehr stattfindet. Der nicht gerade als Linksextremist verdächtige Innenminister Sachsens, Markus Ulbig (CDU), sagte im Vorjahr über die Demo, an der tausende Deutsche teilnahmen: "Der Tag war ein Erfolg für Dresden und die Bürger dieser Stadt."

"Gefährtinnen", die einander kaum kennen

Im "Kurier" werden Wulz und Spacil, die einander nur flüchtig kennen, wie sie unabhängig voneinander bestätigen, als "Gefährtinnen" bezeichnet, weil sie sich beide beim Refugee Camp für Flüchtlinge engagiert hatten.

Wulz wird vorgeworfen, sie habe am Freitag den Schwarzen Block quasi angeführt und sich mit dem "Rädelsführer" unterhalten und Kommandos gegeben. "Das ist das Absurdeste der Welt, dass sich ein Schwarzer Block Kommandos geben lassen würde", sagt dazu Wulz. Sie kenne zudem "die meisten, die im Block mitgegangen sind, nicht".

"Das waren Schwachköpfe"

Sie sei "einfach vorne mitgegangen, um den Umgang der Polizei mit den Demonstranten zu beobachten. Dort, wo auch alle Journalisten und Kameramänner mitgegangen sind", erklärt Wulz, "deswegen bin ich auch auf vielen Fotos". Der Umgang der Polizei mit dem lange Zeit "total friedlichen Demozug" sei auch äußerst kooperativ und okay gewesen, betont Wulz. Kurz vor dem Stephansplatz kam die Demo dann zum Stehen.

Jene, die die Gewalt in der Folge eskalieren ließen, seien für Wulz "natürlich Schwachköpfe". "Da waren auf einmal nur mehr Rauch und Knaller, man hat gar nichts mehr gesehen. Die Leute sind gerannt, ich bin zur Seite gehüpft. Da waren auch viele Polizisten, die nicht gewusst haben, was sie machen sollen."

Subseite vom Netz genommen

Schwachköpfe hatten auch im Vorfeld Texte wie "Unseren Hass, den könnt ihr haben" auf eine von den Jungen Grünen betriebene Domain gestellt, wegen derer die Parteijugend eine Menge Ärger mit der Mutterpartei bekam. Erst am Donnerstagabend wurde eine weitere "Subseite", wie der Chef der Jungen Grünen, Cengiz Kulac, bestätigte, vom Netz genommen. "Es war eine alte Seite", erklärt Kulac, "mit Veranstaltungshinweisen aus dem Vorjahr." Zu lesen war darauf das Motto der Anti-Akademikerball-Demo, wie es ein autonomes Kollektiv vorschlug: "Nein, wir lieben dieses Land und seine Leute nicht."

"Das ist nicht unser Zugang zu Politik", zeigt sich Kulac zerknirscht, "auf Menschen zugehen wird von uns als Aufgabe der Politik verstanden." Ab sofort werde man alle Inhalte aller Seiten der Grünen Jugend "nur noch selbst befüllen", versichert Kulac. (Colette M. Schmidt, derStandard.at, 31.1.2014)

  • Janine Wulz glaubt, dass die Vorwürfen gegen sie dazu dienen sollen, den "Diskurs gegen Antifaschismus weiter anzufeuern".
    foto: standard/fischer

    Janine Wulz glaubt, dass die Vorwürfen gegen sie dazu dienen sollen, den "Diskurs gegen Antifaschismus weiter anzufeuern".

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