Flöte üben? Super schön!

Kolumne9. Februar 2014, 17:00
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Über Opferkonkurrenz und wie sie sich anfühlt, vor und nach einer Trennung

Sie kennen vielleicht das Wort Opferkonkurrenz? Und vielleicht kennen Sie nicht nur das Wort, sondern wissen auch wie sie (die Opferkonkurrenz) sich anfühlt, zum Beispiel innerhalb eines Kernfamilien-Verbands. Das geht dann ungefähr so: Zwei Eltern rackern sich ab, damit es den lieben Kleinen gut geht. So ist das eben nach Jahren schnöder Selbstverwirklichungstrips. Und irgendwann geht es damit los und dann wird unter der Last von Doppel- und Dreifachbelastungen aufgerechnet: Aber hallo! Du, mein Lieber/meine Liebe, heißt es dann gerne, ich bin heute wieder extra früh aus dem Büro nachhause gehetzt, habe die Kids abgeholt. Ja, die hatten heute Zahnarzttermin, du hast das natürlich wieder vergessen! Dann habe ich noch eingekauft, schnell was gekocht, aber nicht nur Fertigpizza, gell! Den Elternbeitrag endlich eingezahlt, Wäsche aufgehängt, alle gebadet, Haare gewaschen, nein, nicht meine, Flöte geübt, das Flusensieb gereinigt. Alles, was eben so anfällt, tagtäglich und immer wieder von neuem. Übrigens: Schön, dass du jetzt auch da bist, Schatz! Ja, die Kinder schlafen schon. Was war das noch einmal für ein Termin, der dich aufgehalten hat?

Was für ein Spaß

Bei Tätigkeiten innerhalb der Opferkonkurrenz handelt es sich mit Sicherheit um Tätigkeiten, die man gut und gerne und jederzeit dem anderen überlassen würde, überlassen hätte, morgen überlassen wird. Gar. Kein. Problem! Nehmen wir aber das Opferkonkurrenz-Phänomen nach einer elterlichen Trennung unter die Lupe, dann schaut die ganze Sache möglicherweise wieder ganz anders aus. Hier wird gar nichts mehr dem andern überlassen. Nicht einmal die einstigen Opfer. Nach Kinderschweiß riechende Sporthallen-Turniere am Sonntag Vormittag? Her damit! Kochen für fünf Übernachtungskinder? Jederzeit und gerne! Anstehen fürs Kinderhandy beim Mobilfunker im Shoppingcenter! Gar kein Problem. Flöte üben? Super schön. Schuhe einkaufen gehen? Was für ein Spaß! Von Opfern keine Rede mehr. Von Konkurrenz alle mal. Aber wie nennt man die jetzt bloß? (Mia Eidlhuber, derStandard.at, 9.2.2014)

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