Dschungel, wohin man blickt

31. Jänner 2014, 17:06
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Frauen schreiben Geschichte. Nehmen Sie nur das Beispiel Larissa

Bei Larissa handelt es sich um "unseren Dschungelstar" respektive um "unsere "Dschungelheldin", wie es im journalistischen Dschungelbuch "Österreich" hieß. Oder um "unsere Dschungelkönigin" respektive "Kärntner Nervensäge", wie sich "News" diesen feministischen Sonderformen nähert. Da es niemand mit der Wahrheit so genau nimmt wie ein Fellner, konnte die Titelgeschichte am Sonntag gar nicht anders lauten als "Larissa: Die ganze Wahrheit. So tickt unser Dschungel-Star". Den Berichten über sie, auch in anderen Blättern, ist zu entnehmen, dass sie sich sehr bemüht. So wurde sie "schon öfter zur Zielscheibe nicht nur für Maden", denn "im RTL-Dschungel" wird für Geld etwas verlangt: "Keiner musste so oft zur Ekelprüfung wie sie".

Mit der Herkunft kann das nichts zu tun haben. Sie wuchs "in einer Hoteliersfamilie in St. Kanzian am Klopeiner See auf. Im Sommer strömten die Touristen in den zweisprachigen 4.376-Seelen-Ort mit hohem Slowenen-Anteil, den Rest des Jahres dominierte der Ortstafel-Streit. Larissas Vater Heinz Anton Marolt mischte als FPÖ-Mann an vorderster Front mit". Ist der Dschungel ihr Schicksal?

"News" näherte sich dem Thema aus weniger idealistischer Sicht. "Cash mit Trash" stand es auf dem Cover: "Wie eine Kärntner Nervensäge über Ekel-TV zur Geldmaschine wird". Natürlich reicht weder Kärnten noch "Nervensäge", um es "zur Geldmaschine" zu bringen, man muss dafür auch etwas leisten. "'Ich kann nicht kacken ohne Kaffee'", alarmierte die Österreicherin Larissa Marolt über den Sender RTL acht Millionen Konsumenten". Wenn sich das unter Deutschlands Muttis, die doch bekanntlich den besten Káffe der Welt kochen, herumspricht, könnte der Kaffeepreis auf dem Weltmarkt explodieren. Was sonst noch, will man sich gar nicht ausmalen.

Wenn die Kacke derart am Dampfen ist, ergibt sich zwangsläufig: "Ihr Auftritt kann sie zur Millionärin machen", und dann ist nicht verwunderlich: "Selbst der Vater, ein Hotelier vom Klopeiner See, will für Kakerlaken-Interviews Kröten sehen."

Ein "Herr Fechter", den "News" als Experten zuzog, sollte "als Manager den Hype um Larissa beurteilen". Seine Antwort ließ nichts zu wünschen übrig. "Larissa hat eine großartige Leistung vollbracht. Sie bräuchte einen guten Manager, der sich darauf versteht, den aktuellen Larissa-Hype zu nutzen und ganz rasch in Einkommen umzuwandeln". Auch der Gipfel, den eine weibliche Karriere je erreichen kann, ist für ihn schon in Sicht: "Eventuell stünde ja auch ein Einsatz bei 'Let's Dance' an".

Doch neben dem Ideal soll auch das Leben nicht zu kurz kommen. "Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, denn die Vermarktungsmaschinerie in Deutschland ist so groß, das können wir uns gar nicht so recht vorstellen. Das reicht vom Wochenendbesuch in einer großen Discothek" (gemeinsam mit Strache?), "bei Messen und in Fernsehsendungen bis zu Auftritten für Dessous-Hersteller". Nur Cafés sollten gemieden werden.

Doch nicht jedem winken Millionen, weil er mit Kakerlaken verkehrt. Nur ein paar Seiten weiter hinten malt "News" das Bild eines erschütternden Frauenschicksals aus anderen Kreisen. "Der millionenschwere Prinz Philipp August Ferdinand Sachsen-Coburg und Gotha - Er verstößt seine Wiener Tochter und gibt ihr nur 400 Euro im Monat". Und nicht nur sie. "Christina ist die jüngste Tochter des adeligen Schlossherrn. Genauso wie ihre Mutter wurde sie von ihm enterbt". Logisch: "Ich kann nicht verstehen, warum er mir und meiner Mama das antun konnte."

Darf das in der Republik Österreich sein? "Der Absturz einer Prinzessin: 'Früher gab mein Papa Unsummen für mich aus. Jetzt speist er mich mit einem Mini-Betrag ab. Aber meine Stiefgeschwister sind schwer reich.'" Dürfen sich Prinzen hierzulande alles erlauben? Etwa "dass er noch im Spital sein Testament geändert und uns enterbt hatte". "Im November 2012 habe er zudem seine Gattin aus seinem Betrieb entlassen und die Scheidung eingereicht". Vor so viel Fürstenwillkür kann die Republik nicht die Augen verschließen! Aber Rechtsanwalt Manfred Ainedter hat die Sache schon in die Hand genommen. "Die Handlungsweise des Prinzen ist moralisch und rechtlich nicht nachvollziehbar", konfrontierte er "News" mit einem ähnlich klaren Pfui wie im Fall Grasser. Man kann also davon ausgehen, dass sich die Prinzessinnen nicht ins Dschungel-Camp verfügen müssen. (Günter Traxler, DER STANDARD, 1./2.2.2014)

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