EU holt Praktika nicht aus der Grauzone

2. Februar 2014, 21:49
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Arbeitsrechtlich befinden sich Praktikanten häufig in einer Grauzone zwischen Ausbildungs- und Arbeitsverhältnis

Wer beruflich vorankommen möchte, sollte bereits während seines Studiums Praktika absolvieren, um beim Berufseinstieg schon berufliche Erfahrung mitbringen zu können. So lautet der gut gemeinte Rat vieler Personalverantwortlicher. Nur: Praktikanten werden in Österreich häufig wie reguläre Arbeitskräfte eingesetzt, allerdings deutlich schlechter oder gar nicht bezahlt. Das zeigt eine Studie der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (Forba).

Das Hauptproblem sei, so Studienautor Hubert Eichmann, dass es im österreichischen Arbeitsrecht keine Legaldefinition des Begriffs Praktikum gebe. Das lasse zwei Gestaltungsmöglichkeiten zu: Entweder würden die Arbeitsverpflichtung und die Einbindung des Praktikanten im Betrieb in den Vordergrund gestellt, dann müsse dieser auch entsprechend entlohnt werden. Oder das Praktikum werde tatsächlich als Ausbildungszeit betrachtet, in der der Praktikant kurzfristig Berufserfahrung sammeln kann und keine direkte Arbeitsverpflichtung hat.

Mehr Bildung, weniger Geld

Die Studie zeigt aber auch, dass sich die Situation für Praktikanten mit zunehmender Bildung verschlechtert. Sind Praktika bei Schülern meist (86 Prozent) bezahlt, ist bei Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums nur noch ein Drittel bezahlt, bei freiwilligen Praktika erhalten zwei Drittel der Praktikanten ein Entgelt. Besonders drastisch wird die Situation aber nach Studienabschluss. 13 Prozent des Abschlussjahrgangs würden, so die Studie, mindestens ein Praktikum absolvieren, ein Viertel davon unbezahlt. Ein weiteres Drittel arbeite für einen Lohn unter der Geringfügigkeitsgrenze. Besonders betroffen davon sind Absolventen geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlicher Studien, heißt es in der Studie.

Auch die von der Europäischen Kommission im Dezember vorgestellte Empfehlung für einen Qualitätsrahmen für Praktika wird an diesen prekären Bedingungen nichts ändern. Zwar begrüßen sowohl Arbeiterkammer (AK) als auch Wirtschaftskammer (WKO) die Initiative, die europaweit mehr Transparenz bei Praktika bringen soll. In der AK ist man aber froh, dass es sich dabei nur um eine Empfehlung handle, sagt Christoph Klein, stv. Leiter Sozialpolitik in der AK Wien. Die Intention dahinter sei, so Klein, der hohen Jugendarbeitslosigkeit in der EU entgegenzuwirken. Und auch wenn reguläre Arbeitsverhältnisse für Junge besser wären, sei mehr Transparenz bei den Praktika als Hoffnungsschimmer zu verstehen.

Verwertbare Leistung gegeben

Für österreichische Verhältnisse greife die EU-Empfehlung viel zu kurz, denn in Österreich sei sehr genau geregelt, was ein Arbeitsverhältnis ist, und dieses unterliege dem jeweiligen Kollektivvertrag, ergänzt Klein. Und es gälten die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen. Erst wenn keine verwertbare Leistung erbracht werde, würde es sich um ein Ausbildungsverhältnis handeln.

Grundsätzlich hätten aber die meisten Praktika die Form eines Arbeitsverhältnisses, weil eine verwertbare Leistung in irgendeiner Form vom Praktikanten erbracht wird, sagt Klein. "Aber auch wenn es materialrechtlich klar geregelt ist, bleibt die Frage, ob Praktikanten die Nichteinhaltung juristisch durchsetzen wollen", ergänzt er. Und hier überwiege häufig die Hoffnung auf eine fixe Anstellung. Erfreulich sei aber, dass die Kollektivvertragspartner immer öfter auf diese fehlenden Regelungen reagieren und ein Praktikum sehr wohl als Arbeitsverhältnis, aber mit reduzierter Arbeitsleistung kollektivvertraglich regeln. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 1./2. 2. 2014)

  • Frust lass' nach: Häufig werden Praktikanten wie reguläre Arbeitskräfte eingesetzt, aber deutlich schlechter bis gar nicht bezahlt.
    foto: www.istockphoto.com /larszahnderphotography

    Frust lass' nach: Häufig werden Praktikanten wie reguläre Arbeitskräfte eingesetzt, aber deutlich schlechter bis gar nicht bezahlt.

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