Yvette ist knatschig

2. Februar 2014, 19:16
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Fantastische Geschichten aus der Welt der Werbung. Heute die Kampagne von Chanel: Warum Yvette auf Champagner wartet

Yvette war jetzt schon ein wenig knatschig. Fête blanche – das war ja eigentlich schon ziemlich nouveau riche. Aber wenn sich Chantal etwas in dem Kopf gesetzt hatte, dann musste das gemacht werden. Punkt. Chantal hatte die Einladung für die Party über eine Kollegin von der Agentur bekommen, Julie; sie hatten sich im November beim Givenchy-Shooting in Tanger kennengelernt. Etienne Seifenthal, dem Gastgeber und Hausherrn, gehörte dieser Konzern, der fast ein Drittel aller Designer-Parfums in Lizenz produzierte, Odopec.


Foto: Lukas Friesenbichler

Blöd nur, dass Chantal sich mit dem Datum vertan hatte: Die Sause war schon am Vortag gestiegen. Jetzt hatte sie ein muffiger Hausangestellter hier im Stiegenhaus deponiert und gemeint, sie mögen sich bitte noch ein wenig gedulden, er würde sich erkundigen, in welchem Zimmer sie sich erfrischen könnten. Falsche Frage, dachte sich Yvette. Wo, war ihr ziemlich gleichgültig, solange sie zum Trost subito ihre zwei, drei Gläschen Bollinger hingestellt bekäme.

Ach, an machen Tagen klappte einfach gar nichts. Und wenn sie erst an die vier Tage Shooting für einen deutschen Versandhausriesen nächste Woche in Hamburg dachte... Merde. Yvette hatte für eine Sekunde lang das Bedürfnis, ihr Leben umzukrempeln und etwas komplett Verrücktes anzustellen: ein Buch zu lesen oder eine warme Mahlzeit zu essen. Aber genau in diesem Moment kam der Diener mit dem Bollinger. (Stefan Ender, derStandard.at, 2. Februar 2014)

  • Die Kreativität der Werbebranche ist grenzenlos. Genauso wie die Phantasie unseres Autors Stefan Ender. Er denkt sich an dieser Stelle wöchentlich eine Geschichte zu einer aktuellen Werbekampagne aus. Das Magazin mit dem aktuellen Werbesujet wird fotografiert von Lukas Friesenbichler.

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