Prozess in Wien: Bedingte Haft für das Schwängern der Tochter

31. Jänner 2014, 15:51
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Ein 48-Jähriger erhält wegen Blutschande sechs Monate bedingte Haft. Dem Mann sei nicht nachweisbar gewesen, dass er seine Tochter verführt habe

Wien – Moral und Recht sind nicht immer deckungsgleich. Das stellt auch Richter Andreas Böhm in seiner Urteilsbegründung fest. Es sei "moralisch entsetzlich", was Alfred P. gemacht hat. Nämlich ein Verhältnis mit seiner Tochter einzugehen, die ihm ein Kind gebar. Aber: "Das Gesetz sieht maximal ein Jahr Haft vor, wenn die Tochter nicht verführt worden ist", sagt der Richter.

Zur Vorgeschichte: Die Tochter hatte eine desaströse Kindheit, die sie in diversen Betreuungseinrichtungen und bei ihrer Mutter verbrachte. Als sie 14 wurde, zog sie zu ihrem Vater und dessen Lebensgefährtin. Mit der sie sich nicht vertrug. Der 48-Jährige und sie landeten auf der Straße, im Jahr 2009 überließ ihr ihre Mutter eine kleine Wohnung.

Dort sei "es" passiert, erzählte der Angeklagte am ersten Prozesstag im Dezember. Man habe über Inzest gesprochen, zweimal sei er "standhaft" geblieben, beim dritten Mal habe man Sex gehabt. Einvernehmlichen. Beim einen Mal blieb es nicht, man ging eine "Beziehung" ein, die zweieinhalb Jahre dauerte.

Zwölf Zehen und elf Finger

Am Freitag erzählt eine Mitarbeiterin des Jugendamts, wie man nach der Geburt des Sohnes im Jänner 2012 die Blutschande entdeckte. Das Kind hatte zwölf Zehen, elf Finger und eine Darmerkrankung, die eine Ernährung über eine Sonde nötig macht. "Im Krankenhaus hat man eine Blutanalyse gemacht, die auf eine Blutsverwandtschaft hinwies."

"Wie hat die Frau darauf reagiert?", will Böhm wissen. "Das war ein länger dauernder Prozess über Monate. Ursprünglich hat sie uns gesagt, dass das Kind das Resultat eines One-Night-Stands ist. Sie hatte auch Angst, dass ihr das Kind weggenommen wird." - "Wie geht es dem Buben jetzt?" - "Er ist aus dem Krankenhaus entlassen worden, die Zehen sollen operiert und die Sonde entfernt werden."

Zweimaliger Nasenbeinbruch

Bei der Vorführung des Videos mit der Befragung der Tochter wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen, ebenso beim Vortrag des psychiatrischen Gutachtens. Bei der anschließenden Befragung des Angeklagten sagt dieser noch: "Ich kann es nicht mehr gutmachen. Ich kann nur für das Kind da sein." Daher mache er jetzt auch einen AMS-Kurs. Warum die Frau zweimal einen Nasenbeinbruch hatte, kann er sich noch immer nicht erklären. Aber: "Eine Tetschen habe ich ihr schon einmal gegeben."

Trotz der moralischen Verwerflichkeit verurteilt ihn Böhm schließlich, nicht rechtskräftig, zu sechs Monaten bedingt. Im Zweifel sei nicht nachweisbar, dass er seine Tochter verführt habe. Mit "Wahrscheinlich denken sich alle, das müsste sieben Jahre Haft geben, aber das Gesetz sieht das nicht vor" schließt er die Verhandlung. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 1./2.2.2014)

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