Weiterbildung: Strukturen zu verändern reicht nicht aus

Interview31. Jänner 2014, 10:52
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Bei den Weiterbildungsangeboten an der Limak Austrian Business School spielt das Thema Change eine immer größere Rolle. Was die Gründe dafür sind, erklärt Wolfgang Güttel

STANDARD: Der MBA Leading Change wurde an der Limak für die Hauptzielgruppe Personalberater und HR-Verantwortliche konzipiert. Unter den Teilnehmern finden sich jetzt aber hauptsächlich Führungskräfte aus anderen Abteilungen. Was ist der Grund dafür?

Güttel: Bei der Konzeption haben wir immer auch Führungskräfte im Auge gehabt, wir wollten keine reine Beraterweiterbildung machen, da gibt es genug, die gut sind. Mit dem MBA wollten wir Führungskräften ein Tool in die Hand geben, mit dem sie aktuelle Veränderungen in ihren Bereichen besser managen können, und Personalverantwortliche dabei unterstützen, ihre Weiterbildungsarchitektur so zu gestalten, damit Führungskräfte besser für Veränderungen gerüstet sind.

STANDARD: Veränderungsprozesse hat es in der Wirtschaft schon immer gegeben. Hat sich die Bedeutung von Veränderung durch die Krise verstärkt?

Güttel: Die Krise ist ein Symptom für das Verschieben der tektonischen Platten der Weltwirtschaft. Es gibt nun aufstrebende Volkswirtschaften wie China oder Indien. Das wirtschaftliche Gleichgewicht wird jetzt neu justiert, und diese Turbulenzen werden noch einige Jahre anhalten. Der Bedarf an professionellem Change-Management war auch früher schon gegeben, nur ist jetzt der Wind noch schärfer geworden. Jedes Unternehmen, das seine Abteilungen schon im Kleinen fit hält, kann der Konkurrenz bei passender Strategie etwas leichter überlegen sein.

STANDARD: Auch bei den Inhouse-Programmen, bei denen Unternehmen die Inhalte je nach Bedarf wählen können, spielt das Thema Change eine immer größere Rolle ...

Güttel: Das ist auch eine Frage, wie Unternehmen aus bisherigen Veränderungsaktivitäten gelernt haben. Nachhaltige Veränderungen brauchen mehr als das Verändern von Strukturen oder Prozessen. Solange Mitarbeiter nicht ihre Einstellungen und ihr Verhalten ändern, werden Wandelprozesse auf der formalen Ebene ins Leere laufen.

STANDARD: Woran scheitern nun Veränderungsprozesse?

Güttel: Bei Change-Prozessen wird oft nur versucht, den Wandel an der formalen Oberfläche zu vollziehen. Führungskräfte setzen sich zu wenig damit auseinander, wie formale Regelungen von den Mitarbeitern interpretiert werden. Es ist wie mit den Verkehrsregeln. Als Autofahrer würde ich nie über eine rote Ampel fahren, als Fußgänger hingegen ist sie bloß ein Hinweis, dass man aufpassen muss, und als Radfahrer wird das situationsbedingt unterschiedlich gehandhabt. Es ist aber immer das gleiche formale Zeichen. Wenn bei Change-Prozessen nur das Formale, die Strukturen und Prozesse geändert werden, nicht aber gezielt auch daran gearbeitet wird, wie Mitarbeiter diese formalen Änderungen interpretieren, dann werden sich Sicht- und Handlungsweisen der Mitarbeiter auch nicht ändern. Der Wandelimpuls geht ins Leere.

STANDARD: Was das Wichtigste am Change ist, ist gleichzeitig auch das Schwierigste?

Güttel: Gruppendynamische Aspekte wie Entscheidungsmuster, Leistungsnormen oder soziale Beziehungen sind wenig sichtbar. Interessant ist aber, dass wir je nach Situation und sozialem Umfeld unsere Wahrnehmungen und unser Handeln verändern. Wer beginnt, hinter die Kulissen seines Teams zu schauen, und versteht, welche situativen Einflussfaktoren das Verhalten eines Mitarbeiters prägen, der findet machtvolle Wege der Einflussnahme. Das versuchen wir auch bei unseren MBA-Programmen zu vermitteln. Wenn am Ende die Teilnehmer sagen: "Ich verstehe jetzt einigermaßen, wie meine Mitarbeiter ticken und warum sie welche Entscheidungen treffen", dann haben wir als Trainer schon viel gewonnen da wir das Analyse- und Handlungspotenzial unserer Teilnehmer erweitert haben, wodurch sie Situationen besser interpretieren und aus einem größeren Handlungsrepertoire schöpfen können, um Wandelprozesse zu gestalten. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 25./26.1.2014)

Wolfgang Güttel ist wissenschaftlicher Leiter der Limak Austrian Business School und Leiter des Instituts Human Resource and Change Management an der Johannes-Kepler-Universität Linz.

  • Wolfgang Güttel.
    foto: privat

    Wolfgang Güttel.

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