Wölfe lernen besser von einander als Hunde

1. Februar 2014, 17:58
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Wölfe imitieren Artgenossen deutlich erfolgreicher als Hunde - Möglicherweise liegt der Ursprung der guten Hund-Mensch-Beziehung in dieser Fähigkeit zur Kooperation

Wien - Gilt es ein Problem zu lösen, beobachten Wölfe ihre Artgenossen wesentlich genauer als dies Hunde untereinander tun. Eine aktuelle Studie von Wissenschaftern der Veterinärmedizinischen Universität Wien und des Wolf Science Center (WSC) in Ernstbrunn zeigte, dass Wölfe sehr viel stärker auf Koordination angewiesen sind, Hunde dagegen probieren eher selbst herum und scheitern daher auch öfter. In dem Verhalten der Wölfe könnte der Ursprung der guten Hund-Mensch-Beziehung liegen, schreiben die Wissenschafter im Fachjournal "Plos One".

Die Verhaltensforscherin Friederike Range hatte bereits im Vorjahr bei einem Kongress in den USA erste Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt, das Fachjournal "Science" hatte darüber berichtet. Nun wurde die Studie publiziert.

Um zu klären, wie sich die rund 15.000 Jahre lange Domestikation der Hunde auf die Interaktion der Tiere untereinander ausgewirkt hat, untersuchten Range und ihre Kollegin Zsofia Viranyi das Verhalten von etwa gleich vielen Wölfen und Hunden am WSC. Die insgesamt 14 Wölfe und 15 Mischlingshunde waren sechs Monate alt, mit der Hand aufgezogen und in Rudeln gehalten.

Alle Tiere beobachteten, wie ein trainierter Hund eine Holzbox mit Futter entweder mit der Schnauze oder der Pfote öffnete. Als sie dann selbst die Aufgabe lösen mussten, zeigte sich, dass die Wölfe wesentlich besser abschnitten als Hunde. Alle Wölfe konnten nach dieser Demonstration erfolgreich die Box öffnen, bei den Hunden schafften dies lediglich vier von 15.

"Die Wölfe haben sehr genau beobachtet, was ihnen vorgemacht wurde und konnten dieses Wissen zum Lösen des Problems anwenden", erklärte Range. So wendeten die Wölfe häufiger jene Methode - also Schnauze oder Pfote - zum Öffnen der Box an, die sie zuvor beobachtet hatten. Die erfolgreichen Hunde hingegen wählten eher zufällig eine der beiden Methoden.

Um auszuschließen, dass die Hunde lediglich zu jung für diese kognitive Leistung waren, wurden die Tests nach rund neun Monaten wiederholt. Doch auch die älteren Hunde zeigten keine Verbesserung ihrer Fähigkeiten. Wölfe sind auch nicht grundsätzlich die besseren Problemlöser, zeigten die Forscher. Sie testeten dazu die Fähigkeit der Wölfe, ohne vorhergehende Demonstration eine Box zu öffnen. Dabei waren die Wölfe eher selten erfolgreich. Offensichtlich basiert der Erfolg also auf Beobachtung.

"Wir gehen davon aus, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund ursprünglich aus der Kooperation zwischen den Wölfen untereinander resultiert. Hunde haben diese angeborene sozialen Fähigkeit zur Kooperation auf den Menschen ausgeweitet und akzeptieren ihn als Sozialpartner", betonte Range. (APA/red, derstandard.at, 1.2.2014)

  • Wölfe beobachten sehr genau, was andere Wölfe tun. Gilt es ein Problem zu lösen, sind sie daher erfolgreicher als Hunde. Die Forscher glauben, dass in der Fähigkeit der Wölfe zu kooperieren der Ursprung der guten Hund-Mensch-Beziehung liegt.
    foto: walter vorbeck

    Wölfe beobachten sehr genau, was andere Wölfe tun. Gilt es ein Problem zu lösen, sind sie daher erfolgreicher als Hunde. Die Forscher glauben, dass in der Fähigkeit der Wölfe zu kooperieren der Ursprung der guten Hund-Mensch-Beziehung liegt.

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