Voigt: "Sind auf Wachstum programmiert, nicht auf Sparefroh"

31. Jänner 2014, 10:55
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Mediengruppe "Österreich" launcht zwei neue Wochenmagazine - Absenger soll sich verstärkt auf Tätigkeit als Vorständin der Fellner Media AG konzentrieren

Wien - Die Mediengruppe "Österreich" setzt weiter auf Expansion. In den kommenden Monaten sollen zwei neue Wochenmagazine gestartet werden, den Auftakt macht ein Titel zu den Themen "Gesundheit, Wellbeing und Fitness" bereits im April, wie Oliver Voigt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mediengruppe, erläuterte. "Wir sind auf Wachstum programmiert, nicht auf Sparefroh."

Gesundheit und Kochen

Der zweite Titel, der "zeitnah" zum ersten lanciert werden soll, wird sich mit Kochen beschäftigen. Beide Printprodukte "bekommen auch eine Online-Entsprechung mit einem massiven Bewegtbild-Anteil", so Voigt. Gesundheit ist aus seiner Sicht "redaktionell und kommerziell das Thema, das die Menschen am meisten bewegt". Niederschlag soll das auch in der Tageszeitung "Österreich" mit zwei Schwerpunkten pro Woche finden. "Wir gehen an das sehr unterhaltend und lustvoll heran."

Absenger soll sich auf Fellner Media AG konzentrieren

Die personelle Herausforderung, die neue Titel bedeuten - es stehen zusätzlich auch die Online-Angebote Sport TV, Madonna TV und News TV in den Startlöchern -, werde man einerseits mit dem bewährten Team bewältigen, aber auch neue Köpfe an Bord holen. "Dort, wo es sinnvoll ist, nutzen wir unsere Strukturen." Für die Mitarbeiter bedeute dies nicht zuletzt eine Aufstiegschance, wie Voigt betonte.

Seit November ist Martina Frieser, vormals bei Publicis Group Austria, für Marketing und Vertrieb zuständig. Dass sich Conny Absenger, eigenständige Geschäftsführerin für den Anzeigen- und Verlagsmanagement-Bereich, zurückziehen wolle, dementierte Voigt. Absenger werde sich aber verstärkt auf ihre Tätigkeit als Vorstand der Fellner Media AG konzentrieren.

Google als "offener Partner"

Angesichts der Lage der Medienbranche offenbarte sich Voigt als Optimist und meinte etwa, dass man "Google als offenen Partner" annehmen müsse - bei allem Dissens, der durchaus vorherrsche. "Diese internationalen Konkurrenten zerschlagen zu wollen, kann nicht die Antwort sein. Wir müssen uns vielmehr fragen: Warum funktioniert die Werbung bei Google und wie adaptieren wir das?"

In diesem Zusammenhang sei "Kleinteiligkeit" ein wesentliches Stichwort. "Viele kleine Kunden machen auch einen Batzen aus", ergebe sich daraus doch ein "Füllhorn an Neugeschäft". Als Medienunternehmen müsse man lernen, "diese Kleinstölfelder zu fördern, auch auf einer regionalen Ebene". Zusätzlich aber gelte es, im "Top-top-Bereich noch besser zu werden und hier wirklich Crossmedia-Packages anzubieten".

Pyramidenkonzept bei Online-Werbung

Beim Thema Online-Werbung kommt Voigt dann auch auf ein Pyramiden-Konzept zu sprechen: Von Premium-Schaltungen im prominenten Bereich auf der Startseite zu entsprechenden Preisen bis zu Bannern im unteren, weniger sichtbaren Bereich, die per "Real Time Bidding", quasi eine Echtzeit-Versteigerung, vergeben werden. "Wir haben eine große Webseite. Und lieber habe ich in diesem 'nicht sichtbaren' Bereich günstige TKPs (Tausender-Kontakt-Preis, Anm.), als dass dort gar nichts läuft. Immerhin ist das ein automatisiertes Geschäft."

Bei den Erlösströmen hat der CEO von "Österreich" auch eine klare Reihung: Werbung werde aus seiner Perspektive die wichtigste Einnahmequelle bleiben, allerdings sei eine Verschiebung innerhalb der Mediengattung möglich. "Die Inhalte bleiben dieselben, nur die Gefäße werden andere." Danach folgen "mediale und nicht mediale Zusatzerlöse", von Autoverkauf über Reiseangebote bis zu Versicherungen. Und schließlich der Vertriebserlös, "auch wenn der bei uns nicht so stark ausfällt. Ich bin aber ein Freund hoher Preise, wo ich sie realisieren kann."

Paid Content als "spitzes Thema"

Skeptischer zeigte sich Voigt hingegen beim Thema Paid Content. "Ich bin da sehr zurückhaltend, es ist ein spitzes Thema aus meiner Perspektive." Folglich seien nur Nischenprodukte wirklich dafür geeignet, Umsatz auf diese Weise zu generieren. "Man muss einfach entsprechende Inhalte anbieten. Bei uns steht das aktuell nicht ganz oben auf der Agenda, es gehört aber durchdacht." Als nächste Stufe stehe aber ohnedies Mobile an. "Das sehe ich im Moment auch kurzfristig als allergrößten Treiber."

"Kleines Scharmützel" mit dem Presserat

Bezüglich der beiden Klagen von "Österreich" gegen den Presserat - mit einer Causa scheiterte man vor kurzem in erster Instanz am Handelsgericht Wien - wollte Voigt nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen. "Das ist ein kleines Scharmützel" und nicht wirklich dramatisch. Allerdings konnte er sich einen abschließenden Seitenhieb insofern nicht verkneifen: Dass Betroffene, die an den Rat herantreten, auf die Anrufung ordentlicher Gerichte verzichten, sofern der Presserat in einem Beschwerdeverfahren tätig wird, sei aus seiner Sicht jedenfalls hinterfragenswert. "Das ist ein substanzieller Hammer", urteilte Voigt. In dieser Auseinandersetzung dürfte das letzte Wort also wohl noch nicht gesprochen worden sein. (APA, 31.1.2014)

  • "Österreich"-Geschäftsführer Voigt will kein Sparefroh sein.
    foto: apa/georg hochmuth

    "Österreich"-Geschäftsführer Voigt will kein Sparefroh sein.

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