Crowdfunding setzt noch wenig Geld um

31. Jänner 2014, 08:50
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EU-Kommissar Michel Barnier adelt den widerborstinge Waldviertler Heini Staudinger zur EU-weiten Galionsfigur für Crowdfunding

"Herr Staudinger, sie sind nicht nur in Wien berühmt, ich habe auch in Brüssel von ihnen reden gehört" - EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier zeigte sich am Donnerstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung in der EU-Vertretung in Wien bestens über die österreichische Crowdfundingszene informiert und erntete vom rebellischen Unternehmer eine Freundschaftserklärung.

"Je crois vous etes un ami" (ich glaube Sie sind ein Freund), grüßte Heini Staudinger in Barniers Muttersprache zurück. "Heut' is' a großer Tag", wenn Barnier offenbar bereit sei, nicht mehr die Finanzindustrie, sondern die Realwirtschaft zu unterstützen, ergänzte er.

Die Lacher auf seiner Seite hatte Staudinger mit dem Bekenntnis, "wir sind durch die FMA berühmt geworden", nur um zu ergänzen: "Aber auch die FMA hat vorher keiner gekannt." Da konnte sich auch Finanzmarktaufsicht-Vorstand Klaus Kumpfmüller, gemeinsam mit Staudinger am Podium, das Lachen nicht verkneifen. Schwieriger war Staudingers weiteres Bekenntnis, er habe kein Unrechtsbewusstsein und zahle auch die Strafe nicht. Kumpfmüller dazu: "Gesetze gelten für jeden Bürger."

Kein großes Geschäft

In Österreich wird Crowdfunding, also das Einsammeln von kleinen Geldbeträgen von zahlreichen Investoren zur Finanzierung eines Unternehmens, heftig diskutiert. Viel Geld wird damit aber noch nicht umgesetzt. Darum geht es aber auch nur zum Teil. Sehr wichtig sind auch die Anteilnahme der Investoren und ihre Bereitschaft zu hohem Risiko, das Banken nicht mehr übernehmen wollen.

Nur 1,2 Mio. Euro wurden im Vorjahr über Crowdfunding von Firmen in Österreich aufgenommen - die heimischen Banken geben monatlich das 5.000-Fache an Krediten, erinnert Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Für den Staat geht es darum, das Risiko für den Investor einzugrenzen. Das geschieht derzeit insbesondere über die Prospektpflicht, also eine ausführliche Informationspflicht bei Projekten ab 250.000 Euro. Mitterlehner findet aber auch eine Idee der Grünen "berücksichtigungswürdig": Das Risiko beim Anleger einzugrenzen, also den Betrag zu beschränken, den man ins Crowdfunding investieren darf.

Das Thema Risiko sieht Oliver Gajda, Mitbegründer des European Crowdfunding Network (ECN), ganz anders. Menschen riskieren laufend den Verlust von Geld und keiner schützt sie, ätzte er: wenn sie Lotto spielen, aber auch wenn sie ein Handy kaufen und es ihnen dann herunterfällt und kaputt wird. Im Gegensatz dazu sei eine Investment die einzige Chance Geld zu verdienen - "und das regulieren sie stark". Offenbar solle die Chance Geld zu verdienen den Banken vorbehalten bleiben.

Risiko kein Problem

Auch Reinhard Willfort von der Crowfunding Plattform 1000x1000 sieht im Risiko derzeit kein Problem. Typische Geldgeber seien über 40, männlich und Besserverdiener, die unternehmerische Erfahrung haben. Meist streuen sie ihr Investment auch noch, sodass sie sich gleichsam einen kleinen privaten Investmentfonds schaffen. "Sparbuchleute sind nicht die Zielgruppe" sagt er, die Beträge nicht existenzbedrohend.

Dazu kommt ein anderer Faktor: Wer über Crowdfunding Geld gibt, ist Investor und mit dem Projekt persönlich verbunden. Theresa Steininger, die für das Projekt Wohnwagon von 100 Investoren 70.000 Euro eingesammelt hat, sieht eine große Stärke darin, dass "man in früher Phase Kontakt mit dem Markt hat. Ich sehe, ob der Funke überspringt. Die Motivation, die Energie war abgesehen vom Finanziellen extrem wichtig". Und so kritische Fragen wie von diesen Kleininvestoren hätten die Bankberater nie gestellt. Denn man müsse jeden Einzelnen persönlich überzeugen, sein Geld herzugeben. "Man sollte die Eigenverantwortung und Intelligenz der Crowd nicht unterschätzen" sagt Steininger.

Die Prospektpflicht macht die Finanzierung von Projekten deutlich teurer. Die EU würde es erlauben, Investitionen bis zu 5 Mio. Euro von der Prospektpflicht zu befreien. So "mutig" sind aber nur Großbritannien und einige baltische Staaten, wie es Gajda formuliert. Österreich liegt mit seiner Grenze im Mittelfeld. EU-Kommissar Barnier erinnerte bei der Debatte daran, dass in der EU Konsultationen zum Thema Crowdfunding laufen. Anfang März soll es einen Aktionsplan geben. EU-weit wurden im Vorjahr 735 Mio. Euro über Crowdfunding aufgenommen - in den USA waren es immerhin 1,2 Mrd. Euro. (APA, 31.1.2014)

  • Crowdfunding ist in Österreich noch kein großes Geschäft.
    foto: reuters/european central bank

    Crowdfunding ist in Österreich noch kein großes Geschäft.

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