Privates Geld für Unis? Ja, aber ganz anders

Kommentar der anderen30. Jänner 2014, 18:46
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Statt Sponsoren zu suchen, wäre es besser, Firmen und Vermögende zu besteuern

Der neue Wissenschaftsminister erklärte vor kurzem, wie er die Budgetnöte überwinden und mehr Geld für die Universitäten auftreiben möchte: Es sollen private Sponsoren gefunden werden.

Schon wieder? Ministerin Karl versuchte das vor einigen Jahren. Damals entwickelten Arbeitsgruppen Konzepte für mehrere "Forschungscluster" zu wichtigen Themen. Und die Ministerin wollte dann Reiche und Mächtige zum Abendessen einladen und dabei überzeugen, Millionen lockerzumachen und diese "Cluster" zu finanzieren. Auch damals hieß es, die Inhalte würden natürlich von der Wissenschaft und der Politik bestimmt. Allerdings war in den Arbeitsgruppen die Schere im Kopf spürbar: Würden auch die Reichen und Mächtigen genau diese Disziplinen und Themen für wichtig halten? Wie viele Abendessen letztlich stattfanden, weiß ich nicht. Herausgekommen ist dann jedenfalls nichts.

Nun will man es also wieder versuchen. Dieses Engagement für die Wissenschaft ist anerkennenswert. Grundsätzlich irritierend ist aber, dass die Vertreterinnen und Vertreter der Republik in einem der reichsten Länder der Welt Privatleute und Firmenvertreter um Unterstützung ersuchen müssen, um das finanzieren zu können, was sie als wichtigste Zukunftsaufgaben des Staates bezeichnen: Wissenschaft, Forschung und Bildung. Es ist nicht nur für die Regierenden eine heikle Situation, sondern demütigend für die gesamte Bevölkerung, wenn die von ihr dazu Bestimmten, die Geschicke des Gemeinwesens zu lenken, so offensichtlich vor den tatsächlich Herrschenden buckeln und zugleich deren Einfluss dementieren müssen.

Politikverdrossenheit

Wen wundert die Politikverdrossenheit, wenn einzelnen Privatpersonen ein größerer Einfluss auf wichtige Entscheidungen zugestanden wird als den vielen Wählerinnen und Wählern? Dass sie durch Erbschaft, aufgrund ihres Talents oder auch nur wegen ihrer Skrupellosigkeit zu großen Vermögen gekommen sind oder bei Raiffeisen oder anderswo Karriere gemacht haben, ist nun einmal keine Legitimation. Übrigens tragen schon jetzt Hörsäle an manchen Universitäten Firmennamen. Werden die Lehrenden in Zukunft wie die Skirennläuferinnen als Litfaßsäulen auf zwei Beinen den Studierenden den Satz erklären müssen, "die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei"?

Dabei gibt es einen ganz einfachen Weg aus dem Dilemma: Wir stellen sicher, dass die großen Unternehmen und die Reichen Steuern zahlen wie - relativ zu ihrem Einkommen und Besitz - alle anderen auch. Bei den Steuersätzen könnten wir uns an vergleichbaren Ländern orientieren, müssten daher keine Abwanderungen befürchten. Dann bräuchte kein Minister betteln zu gehen, alle könnten ihre Abendessen entspannt genießen, und es bräuchte nicht dementiert zu werden, dass wissenschafts- und bildungspolitische Entscheidungen dem Volkswillen entgleiten. (Jörg Flecker, DER STANDARD, 31.1.2014)

Jörg Flecker (Jahrgang 1959) ist Professor für Soziologie an der Universität Wien.

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