Qualität in Ordinationen: Zahnlose Kontrolle

Kommentar30. Jänner 2014, 18:33
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Es ist fatal für den ärztlichen Stand, wenn ein Grundmisstrauen entsteht

Es ist keine gute Woche für die Ärztekammer. Am Montag teilte der Verein für Konsumenteninformation mit, bei einer Testpatientin sei eine Leistung veranschlagt worden, die der Arzt nie erbracht habe - unangenehmerweise handelte es sich ausgerechnet um den niederösterreichischen Kammerpräsidenten Christoph Reisner, einen Wahl-Orthopäden. Und nun das: erneut mutmaßlicher Abrechnungsbetrug bei einer Wiener Gynäkologin. Knapp 100 Kassen-Ordinationen gibt es in Wien, in zwei davon wurden tausende Krebsabstriche mehr verrechnet als gemacht. Eine bemerkenswert schlechte Rate.

Ob sie sich nun wirklich bereichern wollen oder schlicht überfordert sind: Ärzte müssen offenbar genauer kontrolliert werden. Das Aufjaulen der Kammer ist programmiert, aber würden ihre Funktionäre einen Schritt zurücktreten, dann könnten sogar sie bemerken: Es ist fatal für den ärztlichen Stand, wenn ein Grundmisstrauen entsteht, egal ob aus medizinischen, politischen oder finanziellen Gründen.

Ausgerechnet der Kammer die Kontrolle ihrer Mitglieder zu überantworten - das passierte 2004 mit der Einrichtung der ÖQMed - war schon keine besonders gute Idee. Noch dazu ist dieses Instrument zahnlos. Schön und gut, wenn sichergestellt ist, dass eine Ordination barrierefrei und auf dem neuesten Stand der Technik ist. Aber ob dort qualitativ gut und lauter gearbeitet wird, weiß kein Mensch. Schon gar nicht der Patient. Ein unhaltbarer Zustand. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 30.1.2014)

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