Kokainschmuggel frisst den Regenwald

31. Jänner 2014, 10:25
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Drogenhandel führt zu gravierenden Schäden an Waldgebieten in Mittelamerika: Schmuggler roden Flächen für Landebahnen, Umschlagplätze und Geldwäsche

Columbus/Wien - Eigentlich kann es jeder sehen: Google-Earth-Satellitenaufnahmen zeigen in manchen Regionen von Honduras und Guatemala verdächtige Löcher im Wald. Und das sogar in Schutzgebieten. Die Folge von Waldbränden? Keinesfalls. Hier haben Kriminelle gewütet.

Illegale Rodungen sind in Mittelamerika nicht wirklich neu. Viehzüchter holzen ab und zu kleinere Areale in den Randbereichen von Naturschutzgebieten ab, aber immer nur wenige Hektar, erklärt die Geografin Kendra McSweeney. Sie versuchen, keine Aufmerksamkeit zu erregen, sagt die an der Ohio State University tätige Wissenschafterin. In den letzten Jahren hätten die Zerstörungen jedoch ganz neue Dimensionen angenommen. "In einigen Fällen sind Flächen von 100 oder sogar 500 Hektar gerodet worden." Vor zwei Jahren schlug die Unesco Alarm. Das Biosphärenreservat Rio Plátano in Honduras sei aufgrund der rapiden Entwaldung akut bedroht.

Die dreisten Abholzungen sind allerdings kostspielig, wie Kendra McSweeney erläutert. Sie forscht seit 20 Jahren in den mittelamerikanischen Regenwaldgebieten und kennt die Lage vor Ort genau. Um eine größere Fläche roden zu können, brauche es nicht nur Arbeitskräfte mit Motorsägen, sondern auch die Bestechung lokaler und sogar überregionaler Autoritäten. "Dafür muss jemand eine Menge Geld haben."

Gut investiertes Geld

Bezahlt wird mit Drogen-Dollars. Es handelt sich hauptsächlich um Erträge aus dem lukrativen Kokainhandel. Für die "Narcos" sind die in die Landnahme investierten Gelder gut angelegt. Die Flächen dienen vor allem als versteckte Landebahnen und Umschlagplätze für die aus Südamerika eintreffende Schmuggelware. "So vermeidet man Störungen im sensibelsten Glied der Transportkette", sagt Kendra McSweeney. Ein einzelnes Flugzeug hat circa 700 Kilo Kokain im Wert von rund 1,4 Millionen Dollar an Bord. Nach der Landung wird die Menge in kleinere Pakete unterteilt und mit verschiedenen Transportmitteln auf den weiteren Weg nach Norden geschickt.

McSweeney hat die Entwicklung zusammen mit einigen Kollegen genauer untersucht und eine Analyse in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazin "Science" (Bd. 343, S. 489) veröffentlicht. Demnach zeigt sich unter anderem im Osten von Honduras ein erstaunlich klarer Zusammenhang zwischen Kokainschmuggel und Waldzerstörung. Ab 2007 sind beide rasch angestiegen. Der Schmuggel erreichte 2011 seinen bisherigen Gipfel, und in demselben Jahr wurde auch die Rekordmenge von knapp 200 Quadratkilometern Regenwald vernichtet. Nach harten Repressalien ging die "Narco"-Aktivität in Honduras 2012 deutlich zurück. Die Drogenbosse verlagern ihre Aktivität seitdem in Naturgebiete im Osten von Nicaragua.

Das Abholzen von Wald dient auch der Geldwäsche, erklärt Kendra McSweeney. Die Flächen werden oft quasi legal als Agrarland verkauft. "Noch nie zuvor hatten die für die Waldzerstörung verantwortlichen Kräfte so viel Geld und Macht." Korruption greife um sich, und sogar der lokale Arbeitsmarkt werde destabilisiert. Es sei dringend notwendig, die bisherige Drogenpolitik zu überdenken und sie nicht länger als Kriegsführung zu verstehen - auch im Interesse des Naturschutzes. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD, 31.1.2014)

  • Drogen kann man in Mittelamerika gar nicht so schnell vernichten, wie sie nachkommen und durch das Verhalten der Banden ökologische Folgen haben.
    foto: reuters

    Drogen kann man in Mittelamerika gar nicht so schnell vernichten, wie sie nachkommen und durch das Verhalten der Banden ökologische Folgen haben.

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