Alternde Gesellschaft: Strategien für den Lebensabend

30. Jänner 2014, 18:18
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Vorarlberger Gemeinden setzen auf Bürgerbeteiligung

Götzis - Altern soll für die Menschen seiner Gemeinde keine Bedrohung sein, sagt Werner Huber, Bürgermeister von Götzis im Vorarlberger Rheintal. Gemeinsam mit der Nachbargemeinde Koblach geht Götzis das Thema alternde Gesellschaft mit einem neuen Ansatz an. Man will die Bewohnerinnen und Bewohner über künftige Projekte mitdenken und mitentscheiden lassen.

Die nächsten drei Jahre möchte man mit dem Pilotprojekt 65+ herausfinden, wie alte Menschen leben wollen. Die Basis bildet eine repräsentative Umfrage, die junge Seniorinnen und Senioren bei Menschen des Jahrgangs 1948 und älter gemacht haben.

"Den Menschen geht es gut"

Die Erhebung des Ist-Zustands stimmt den VP-Politiker Huber optimistisch: "Den Menschen hier geht es gut." 92 Prozent sind zufrieden mit ihrem Leben, 89 Prozent "schauen getrost in die Zukunft". Das Vertrauen in die Gemeinde sei höher als in den Staat: 97 Prozent leben gerne in ihren Wohnorten. Aber nur 51 Prozent glauben, dass in Österreich alle die gleichen Chancen auf ein gutes Leben haben.

Befragt, wie sie den Lebensabend verbringen wollen, antworten die jungen Alten wenig Überraschendes: Sie wollen daheimbleiben, von Familie oder Nachbarn betreut werden. Anita Minatti, eine der ehrenamtlichen Befragerinnen: "Man muss aber sehen, dass immer mehr Menschen allein leben, keine Familie haben." Auch auf die Frage, wer diese Menschen betreuen wird, müsse das Projekt Antworten finden.

27 Prozent der Befragten sind gesundheitlich angeschlagen. "Auf diese Gruppe wollen wir uns konzentrieren", sagt Martin Herburger, Leiter der Sozialdienste Götzis. Information und Programme zum Thema Ernährung und Bewegung sollen partizipativ entwickelt werden, aber auch mehr gesellige Angebote.

Tabuthemen ansprechen

Fritz Maierhofer, Bürgermeister der Kleingemeinde Koblach, will das geplante Seniorenheim zu einem "offenen Haus" machen. Die Angst vor dem Heim, vor Hilfsbedürftigkeit, soll genommen werden. Es gehe darum, die einzelnen Menschen, aber auch die ambulanten Hilfseinrichtungen besser auf Krisensituationen vorzubereiten, sagt Ruth Weiskopf, Pflegeleiterin im Götzner Haus der Generationen.

Ohne Ausbau der ambulanten Hilfe und gerechte Bezahlung der Dienstleisterinnen sei Altenbetreuung in Zukunft nicht möglich, sagt Weiskopf. Entlastung könnte die ehrenamtliche Hilfe durch Jungsenioren bringen, sind sich die Bürgermeister einig.

Das Thema Pflegefinanzierung wurde bei der Umfrage ausgeklammert. Man befragte die Senioren zur aktuellen finanziellen Situation, - 36 Prozent kommen gut zurecht, bei 57 Prozent reicht das Geld, bei fünf Prozent nicht -, aber nicht, wie viel sie für Pflege ausgeben können und wollen. (jub, DER STANDARD, 31.1.2014)

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