Überraschendes Auf und Ab des Sternwinds

1. Februar 2014, 18:00
44 Postings

Ein 47 Lichtjahre entfernter Stern verhält sich nicht so, wie man es erwartet hätte - und liefert damit sogar neuen Stoff für die Spekulationen um einen lebensfreundlichen Mars

Washington - Wie "blau" der Mars einst gewesen ist, bleibt weiterhin Gegenstand von Spekulationen. Es gibt aber verschiedene Anzeichen dafür, dass er einst eine dichtere Atmosphäre und damit eine höhere Oberflächentemperatur hatte als heute: Warm genug für das Vorhandensein flüssigen Wassers in Form von Flüssen und vielleicht sogar Ozeanen.

Diese potenziell lebensfreundlichen Bedingungen endeten mit dem Verlust der Atmosphäre - entweder indem diese bei einer kosmischen Kollision vom Planeten weggerissen wurde. Oder indem der stete Teilchenstrom des Sonnenwinds sie nach und nach abtrug; unterstützt von Schwankungen des schwächer werdenden marsianischen Magnetfelds.

Schwache Brise

Für die letztere Hypothese sind überraschende neue Erkenntnisse relevant, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem Mars zu tun haben. Sie betreffen einen knapp 47 Lichtjahre von uns entfernten Stern, nämlich den im Sternbild des Großen Bären gelegenen Pi1 Ursae Majoris. Dieser ähnelt sehr stark unserer Sonne, auch wenn er weniger als ein Zehntel ihres Alters hat.

Der Stern hat bereits eine Reihe von Eruptionen und anderen Aktivitäten gezeigt - umso verblüffender die aktuelle Beobachtung, dass der von ihm ausgehende Sternwind insgesamt recht schwach ist. Gemessen werden konnte er indirekt, wie Brian Wood vom US Naval Research Laboratory im "New Scientist" berichtet: Nämlich indem man die Auswirkungen des Sternwinds auf das umgebende Gas beobachtete, die sich im Ultraviolettbereich abzeichnen. Frischt der Wind auf, verstärkt sich das UV-Glühen.

Aktuell ist der von Pi1 Ursae Majoris ausgehende Sternwind nur halb so stark wie der unserer Sonne, die sich "in mittleren Jahren" befindet. Es wurde eigentlich angenommen, dass jüngere Sterne stärkere stellare Winde produzieren. Darauf deutete zumindest die Beobachtung von Sternen hin, die ebenfalls der Sonne gleichen, aber etwa ein Fünftel ihres Alters haben: Dort bläst der Sternwind zehnmal so stark wie in unserem Sonnensystem. Offenbar ist es nicht so, dass der Sternwind mit dem Alter des Sterns kontinuierlich schwächer wird. Pi1 Ursae Majoris deutet eher auf ein Szenario anfänglicher "Schläfrigkeit" hin, das in eine turbulente Phase übergeht und schließlich in die Ruhe des Alters mündet. 

Die mögliche Folgerung

Und hier schlägt Wood den Bogen zum Mars zurück: Wenn die Entwicklung in unserem Sonnensystem ebenfalls so verlaufen ist, dann könnte dies erklären, wie dem Mars zunächst ein Zeitfenster offenstand, um potenziell lebensfreundliche Bedingungen zu schaffen. Und wie sich dieses schließlich schloss, als der Sonnenwind stärker wurde und dem Mars die Atmosphäre raubte. (red, derStandard.at, 1. 2. 2014)

  • Sternwind ist ein entscheidender Gestaltungsfaktor von Sternsystemen: Er beschert den Himmelskörpern im Inneren des Systems eine stete Strahlendusche. Zugleich erzeugt er aber auch eine Art Schutzblase, die von außen kommende kosmische Strahlung abhält (wie hier im Bild am Beispiel der Heliosphäre unseres Sonnensystems).
    foto: reuters/nasa/goddard space flight center conceptual image lab

    Sternwind ist ein entscheidender Gestaltungsfaktor von Sternsystemen: Er beschert den Himmelskörpern im Inneren des Systems eine stete Strahlendusche. Zugleich erzeugt er aber auch eine Art Schutzblase, die von außen kommende kosmische Strahlung abhält (wie hier im Bild am Beispiel der Heliosphäre unseres Sonnensystems).

Share if you care.