Heiße Ohren vom Olympier, aber warme Worte vom Kaiser

30. Jänner 2014, 17:43
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Der Organisator der Spiele in Sotschi widerspricht IOC-Boss Bach bezüglich Redefreiheit für Sportler - Franz Beckenbauer findet nur lobende Worte für die russischen Gastgeber

Sotschi/Zürich - Dimitri Tschernischenko kuschelt nicht um jeden Preis, weshalb der 45-jährige, in Sotschi geborene Chef des lokalen Organisationskomitees (SOCOG) der in einer Woche anhebenden Winterspiele am Schwarzen Meer erstmals die Konfrontation mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Person von Präsident Thomas Bach suchte. Anlass war eine Pressekonferenz, in der der deutsche Olympier festgestellt hatte, dass die teilnehmenden Athleten selbstverständlich auch während der Spiele die Freiheit hätten, ihre politische Meinung kundzutun. Lediglich an den Wettkampfstätten und während der Medaillenzeremonien seien politische Kundgebungen untersagt und könnten Bestrafung nach sich ziehen. Bei Pressekonferenzen könne sich aber jeder Athlet unter IOC-Garantie vollkommen frei äußern.

Tschernischenko, der seit 2005 für Wladimir Putins Prestigespiele werkt und für den Zuschlag im Jahr 2007 einen hohen russischen Orden bekommen hat, sieht seine Meinung durch Regel 50 der olympischen Charta bestätigt. Diese besagt, dass "auf dem Olympia-Gelände, in den Austragungsorten und an den Sportstätten keine Art von Demonstration oder politischer, religiöser oder rassischer Propaganda" erlaubt ist. "Meiner Meinung nach dürfen Athleten gemäß der IOC-Charta keine nicht-sportlichen Themen ansprechen", sagte Tschernischenko also und verwies auf die Demonstrationszone, die Präsident Putin erst Anfang Jänner per Dekret einrichten ließ. 18 Kilometer außerhalb des Zentrums von Sotschi werden unter strengen Auflagen und in bestimmten Zonen Protestaktionen ermöglicht.

Hin und her

Als man aber beim IOC ob der Aussagen des OK-Chefs merklich die Augenbrauen hob, ruderte Tschernischenko ein wenig zurück. Demnach könnten Athleten bei olympischen Pressekonferenzen natürlich frei zu allen Themen Stellung nehmen, solange die Aussagen nicht politisch seien. Eine Erklärung, wann sich quasi der Spaß aufhöre, wurde freilich nicht mitgeliefert, allerdings verlieh er seiner Meinung Ausdruck, dass zwischen das IOC und das SOCOG gleichsam kein Blatt Papier passe.

Mit einem anderen prominenten Deutschen weiß sich Tschernischenko ohnehin ganz einer Meinung. "Da entsteht ein neues Skiparadies, damit die Russen nicht mehr allzu oft nach Österreich fliegen müssen, sondern in ihrem eigenen Land bleiben können. Es hat also eine gewisse Nachhaltigkeit, auch von den Bauten her", sagte Franz Beckenbauer in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (Sid) über Sotschi. Der Kaiser wird selbst ans Schwarze Meer reisen, um erstmals Winterspielen beizuwohnen. Sicherheitsbedenken hat Beckenbauer ebenfalls nicht: "Wenn jemand was vom Thema Sicherheit versteht, dann sind es die Russen." (sid, lü, DER STANDARD, 31.1.2014)

  • Vor Sotschis Bolschoi-Eisstadion brennt es zu Testzwecken, der Olympia-Cheforganistor hat sich die Zunge verbrannt.
 
    foto: reuters

    Vor Sotschis Bolschoi-Eisstadion brennt es zu Testzwecken, der Olympia-Cheforganistor hat sich die Zunge verbrannt.

     

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