Zusammenhalten, dann wird's schon!

30. Jänner 2014, 16:46
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Wege aus der Altersdepression zeigen Senta Berger als tranige Pensionistin und Cornelia Froboess als flotte Putze - Ein Konzept, mit dem Sender immer öfter spielen

Wien - Das Ende der Erwerbstätigkeit erlebt jede anders: Almuth, Zahnärztin, stellt den Bohrer ab, nimmt das teure Kunstmobile, schließt die Praxis - und stürzt in den klassischen Pensionsschock: "Klassik-de-luxe-Treatment bitte!" Erfolg und Identität waren gestern. "Keine Freunde, keine Hobbys", schimpft die eigene Mutter. Sogar die Golfschläger haben Rost angesetzt. Darüber nachzudenken, lehnt Almuth strikt ab: "Schluss. Aus. Themawechsel." Sie sagt es oft.

Aus anderem Holze geschnitzt ist Rita, Almuths Putzfrau, wohnhaft - gut hörbar - im Berliner Spreewald und der missmutigen Almuth ein Dorn im Auge: "Ich möchte nicht die Gesellschaft eines Staubsaugers am Nachmittag", schnauzt Frau Doktor. "In Ihrer Anwesenheit sinkt die Raumtemperatur unter null.", meckert Rita. "Dann müssen Sie sich wärmer anziehen", motzt Almuth. Aber der Sinn steht ihr nach Veränderung, und weil Almuth eine verständige Frau ist, probiert sie es in kleinen Schritten: Gassi gehen mit Ritas Hund.

Zwischen Verstand und Herz mäandern Senta Berger und Cornelia Froboess in "Almuth und Rita", Freitag, 20.15 Uhr auf ARD, um Wege aus der Altersdepression zu zeigen: Zusammenhalten, dann wird's schon!

Ein Motto, das für die deutschsprachigen Fernsehsender im Zeitalter der Fragmentierung ebenso gilt. Mehr denn je werden Zielgruppen umworben, und weil speziell das ältere Publikum sich als besonders treu erweist, steigt die Anzahl jener Produktionen, in denen ältere Menschen in Würde gegen ihr vorgegebenes Rollenkonzept vorgehen - bevorzugt mit prominenter Besetzung. Blacky Fuchsberger und Bibiana Zeller probten in "Live is Life" vor Millionenpublikum den Aufstand im Altersheim. Als "Omamamia" lebte Marianne Sägebrecht vor, dass Großmütter heute nicht zwingend Spitzendeckerln häkeln müssen. Andrea Sawatzki sticht in "Meine Tochter, ihr Freund und ich" der Tochter den Liebhaber aus.

Treues Publikum

So wie Almuth die Nase über Rita rümpft, verhielt sich das Fernsehen lange zum Seniorenpublikum. Es zählt die werberelevante Zielgruppe von 14 bis 49 Jahren. Jugendliches Image lockt Werbekunden im Glauben, dass nur hier die Kaufkraft liegt. Die Zahlen sprechen nicht unbedingt für dieses Konzept, denn das treueste Fernsehpublikum ist 60+: 168 Minuten schauten Österreicher 2013 fern, Senioren schauten 240 Minuten. Knapp 61 sind die Zuschauer von ORF 2 durchschnittlich. ORF 1 wendet sich direkter ans junge Publikum. Das Durchschnittsalter liegt aber auch hier bei knapp 47 Jahren. Almuth und Rita gelingt der Weg aus dem Einheitstrott. Vielleicht folgt das Fernsehen ihnen bald nach. (Doris Priesching, DER STANDARD, 31.1.2014)

"Almuth und Rita", Freitag, 20.15, ARD

  • Almuth ist an ihren strengen Verhaltensregeln erstarrt und erleidet den Pensionsschock, Rita hilft bei der Wiedererlangung des Hüftschwungs. Senta Berger und Cornelia Froboess in "Almut und Rita".
    foto: ard degeto/sabine finger

    Almuth ist an ihren strengen Verhaltensregeln erstarrt und erleidet den Pensionsschock, Rita hilft bei der Wiedererlangung des Hüftschwungs. Senta Berger und Cornelia Froboess in "Almut und Rita".

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