Ex-Frau auf Straße erstochen: 18 Jahre Haft

30. Jänner 2014, 15:19
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Geschworene entschieden einstimmig auf Mord - Staatsanwältin berief gegen Strafhöhe

Korneuburg/Laa an der Thaya - Wegen Mordes an seiner Ex-Frau ist ein 53-Jähriger am Donnerstag am Landesgericht Korneuburg zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte sich geständig gezeigt und die Tötungsabsicht zugegeben. Die zweifache Mutter war im August 2013 in Laa an der Thaya auf offener Straße durch 36 Messerstiche getötet worden.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Staatsanwältin Gudrun Bischof meldete Berufung gegen die Strafhöhe an. Richterin Xenia Krapfenbauer bezeichnete in der Urteilsbegründung die Unbescholtenheit und den Beitrag des Angeklagten zur Wahrheitsfindung als mildernd, erschwerend gewertet wurde die Brutalität der Tat.

Keine Reue

Der Mann, der sich nach der Tat von einem Augenzeugen selbst mitgebrachte Handschellen anlegen und dann widerstandslos hatte festnehmen lassen, zeigte sich vor den Geschworenen geständig, aber keine Reue. "Ich bin schuldig, ich habe sie getötet." Das Einzige, was ihm leidtue, seien die Kinder, erklärte er mehrmals. Er verspüre Erleichterung und schlafe jetzt besser als zuvor.

Die einvernehmliche Scheidung des Paares, das sich 2004 über das Internet kennengelernt und 2007 geheiratet hatte, war im Juni 2013 über die Bühne gegangen. Bereits zuvor hatte die Frau laut Staatsanwältin mehrere Monate in einem Frauenhaus verbracht und war dann in eine Wohnung in Laa gezogen. Am 28. August wurde dem Mann der Antrag der Frau auf das alleinige Sorgerecht für die Buben (damals drei und fünf Jahre) zugestellt. Noch am selben Tag erwarb er, wie Bischof ausführte, eine Schreckschusspistole und Handschellen.

36 Stiche

Am 29. August fuhr er von seinem Weinviertler Wohnort nach Laa, lauerte seiner Ex-Frau auf und stach dann mit einem Klappmesser 36-mal auf sie ein. Elf Wunden an den Armen waren Abwehrverletzungen, ein Stich ging ins Herz, das Opfer starb wenig später an inneren Blutungen und Herz-Kreislauf-Versagen im Spital.

Nach Darstellung des Angeklagten hatte er seine Ex-Frau an jenem Morgen gebeten, die beiden Buben am 6. September, dem Geburtstag des älteren, zwei Stunden länger als vereinbart sehen zu dürfen, was sie verweigert habe. Als es um das Sorgerecht ging, habe sie gemeint: "Ich hab' dir ja gesagt, du siehst die Kinder nie wieder", worauf er ihr die Schreckschusspistole an die Stirn hielt und dann auf die Flüchtende einstach.

Hass und Rache

"Hätte mir der Staat geholfen, wäre das vielleicht nicht passiert", sagte der Angeklagte. Vom Jugendamt habe er gehört, als Mann habe er in Österreich "sowieso keine Chance auf die Kinder". Laut der Richterin hätte es allerdings am 2. September einen Termin in der Causa gegeben. Er habe nichts mehr für seine Frau empfunden, sagte der 53-Jährige. Hass und Rache als Motiv hatte er in früheren Befragungen angegeben und bestätigte heute seinen Gedankengang, wenn er die Kinder nicht haben könne, solle sie auch seine Frau nicht haben. Diese hätte mit ihrem neuen Freund in die Steiermark übersiedeln wollen.

Gerichtspsychiater Werner Brosch bescheinigte dem Mann emotionale Armut in auffälligem Ausmaß und ein grobschlächtiges Wertgefüge. Es liege aber keine psychische Störung vor - weder zum Tatzeitpunkt noch allgemein -, die eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher rechtfertigen würde. (APA, 30.1.2014)

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