Die Hand spricht

30. Jänner 2014, 17:49
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Zur Ausdruckskraft der Hand: Das Wiener Photoinstitut Bonartes zeigt die Schau "Tanz der Hände" - mit Bildern von 1920 bis 1935

Wien - Man muss bei den Salzburger Festspielen nicht gleich den halben Burgtheater-Apparat auffahren, um für Aufsehen zu sorgen. Das beweist der Hände-Tanz, den die beiden Staatsopern-Tänzerinnen Hedy Pfundmayr und Tilly Losch 1927 dort zeigten: ein Stück, nur mit den Händen aufgeführt, das bei der damaligen Kritik auch international großen Anklang fand.

Wie abendfüllend Hände in den 1920er- und 1930er-Jahren waren, zeigt das Photoinstitut Bonartes in seiner Ausstellung Tanz der Hände - Tilly Losch und Hedy Pfundmayr in Fotografien 1920-1935 nicht nur mit zeitgenössischen Fotografien der beiden Tänzerinnen respektive ihrer Hände, sondern auch mit Zeitungsausschnitten und Norman Bel Geddes' fünfminütigem Stummfilm Miss Tilly Losch in her Dance of the Hands (1928).

Texte wie der Handleseratgeber Die Hand spricht! beweisen, welch große Bedeutung den Händen in der damaligen Zeit beigemessen wurde. Deutlich wird das auch in einer anonymen Fotografie mit dem Titel Handfläche Hedy Pfundmayr (um 1928). Daneben ist der Name "Madame de Rogalla" zu lesen, das Foto stammt wohl aus der Kartei einer Handleserin.

Kein Hinweis auf den Charakter, sondern ein Objekt der Begierde ist die Hand in der Lesbenszene. Davon zeugt der Text Hände (1930) der Filmschauspielerin Valerie Boothby. Sie erzählt von einer Frau, die von einem Paar (weiblicher) Hände über die Maßen erregt wird. Illustriert wird die Geschichte von sechs Fotos, welche die Hände Tilly Loschs zeigen - immerhin "die schönsten Europas".

Eine anonyme Fotografie zeigt (neben zahlreichen Abbildungen von Pfundmayr in sogenannten Hosenrollen) zudem, wie Pfundmayr und Losch lustvoll mit (Geschlechts-)Identitäten spielen: Auf Tilly Losch und Hedy Pfundmayr beim Damen-Boxkampf, ein Silbergelatineabzug von 1926, können die Tänzerinnen in knappen Ringeranzügen und Boxhandschuhen von einem Schiedsrichter (in Charlie-Chaplin-Aufmachung) scheinbar nur mühsam auseinandergehalten werden.

In überschaubarer Größe, dafür aber mit einem erfreulich interdisziplinären Zugang, gibt die Schau so einen guten Einblick in die (Sub-)Kultur im Wien vor hundert Jahren. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 31.1.2014)

Bis 13.3., 1., Seilerstätte 22

  • Boxen für einen guten Zweck anno 1926: "Tilly Losch und Hedy Pfundmayr beim Damen-Boxkampf", auseinandergehalten von Staatsopern-Mime Adolf Nemeth. 
    foto: bonartes

    Boxen für einen guten Zweck anno 1926: "Tilly Losch und Hedy Pfundmayr beim Damen-Boxkampf", auseinandergehalten von Staatsopern-Mime Adolf Nemeth. 

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