Fall Gurlitt: Anwalt will gegen Berichterstattung vorgehen

30. Jänner 2014, 14:23
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Das Leben des Kunstsammlers sei völlig aus den Fugen geraten - "Spiegel" widerspricht Vorwürfen

München - Der Anwalt des Münchner Kunstsammlers Cornelius Gurlitt (81) will gegen die Berichterstattung über seinen Mandanten vorgehen. "Sein Leben ist völlig aus den Fugen geraten, auch durch die Verletzung der Persönlichkeitsrechte, wenn etwa Bilder aus den Ermittlungsakten abgedruckt wurden oder er als Messie in einer Höhle bezeichnet wurde", sagte Rechtsanwalt Hannes Hartung der "Süddeutschen Zeitung".

Was seit November geschehen sei, als der spektakuläre Fund von weit mehr als 1.000 Kunstwerken in Gurlitts Schwabinger Wohnung bekannt wurde, habe dem alten Mann gesundheitlich schwer zugesetzt. "Da wurden Grenzen überschritten, wir werden dagegen vorgehen", sagte Hartung.

Sein Mandant sei im übrigen stets bereit gewesen, sich mit Erben auseinandersetzen, die möglicherweise Ansprüche auf seine Bilder erheben, betonte Hartung in der "SZ". Inzwischen liefen auch Gespräche. Bei dem Verkauf der "Löwenbändigers" von Max Beckmann 2011 habe Gurlitt die Erben des Sammlers Alfred Flechtheim am Verkauf beteiligt. "Und damals gab es anders als heute noch keinen äußeren Druck."

Gurlitt habe seine Sammlung auch nicht versteckt und mögliche Probleme damit auch nicht verdrängt, sagte Hartung der Zeitung. "Das Problem Verdrängung ist nicht eines von Gurlitt. Es ist ein deutsches Problem." Er erhob auch Vorwürfe gegen deutsche Museen: "Die deutschen Museen haben nach dem Washingtoner Abkommen ihre Hausaufgaben nicht gemacht", sagte Hartung. "Oft spricht man nicht einmal mit den Anspruchstellern."

Nachrichtenmagazin stellt Video online

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat indessen mit der Veröffentlichung eines Videos auf die Vorwürfe von Gurlitts Anwalts reagiert, den Kunstsammler falsch zitiert zu haben. Unter der Überschrift "In eigener Sache" zeigte "Spiegel Online" am Donnerstag das Video mit einem Interview, das Gurlitt der "Spiegel"-Autorin Özlem Gezer gegeben hatte.

Gurlitts Anwalt Hannes Hartung hatte dem "Spiegel" vorgeworfen, das von dem Magazin verbreitetet Zitat "Freiwillig gebe ich nichts zurück", sei falsch und sein Mandant sei stets gesprächsbereit gewesen. In dem Video sagt Gurlitt allerdings: "Das mache ich nicht. Ich geb nichts freiwillig zurück", oder "Das mache ich auf keinen Fall." (APA, 30.1.2014)

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