Risiko einer Schimmelpilz-Infektion messbar machen

30. Jänner 2014, 12:53
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Nicht nur das Erbgut des Empfängers, sondern auch das des Knochenmarkspenders ist entscheidend dafür, ob sich der Empfänger infiziert

Jena - Das Knochenmark ist das Zentrum unserer Blutproduktion. Wird es durch Krebs geschädigt, kann eine Knochenmarktransplantation helfen. Doch nicht selten infiziert sich der geschwächte Patient in den Tagen nach der Transplantation mit dem Schimmelpilz Aspergillus fumigatus – häufig mit tödlichem Ausgang. Ein Forscherteam aus vier Ländern fand nun mittels einer Untersuchung an 600 Testpersonen einen wichtigen Risikofaktor für die Entstehung dieser Infektion.

Jeder dritte Knochenmark-Empfänger gefährdet

Es genügt, einmal Luft zu holen, um die Sporen des Schimmelpilzes Aspergillus fumigatus einzuatmen. Bei jedem Menschen geschieht das täglich, denn der Pilz ist überall: in der Luft, an Nahrungsmitteln, teilweise sogar im Wasser. Doch für Patienten mit geschwächtem Immunsystem kann dieser Pilz zur Bedrohung werden. Bis zu einem Drittel aller Empfänger von Knochenmark- und Stammzellspenden eines Fremdspenders sind gefährdet.

Entscheidend ist hierbei, so fanden Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena gemeinsam mit ihren Kollegen aus Deutschland, Italien, Portugal und Belgien heraus, ob die Gene dies begünstigen: "Nicht nur das Erbgut des Empfängers, sondern insbesondere das des Knochenmarkspenders ist entscheidend dafür, ob sich der Empfänger mit dem Schimmelpilz infiziert", sagt der Jenaer Mikrobiologe Oliver Kurzai.

Entscheidende Vorarbeit

Das Bemerkenswerte: Die Forscher um Agostinho Carvalho von der Universität Perugia konnten eine exakte Stelle im Erbgut bestimmen, welche das Risiko für die Erkrankung entscheidend beeinflusst. Das Eiweiß Pentraxin 3 wird von den gefährdeten Patienten deutlich weniger gebildet als nötig wäre.

Denn Pentraxin 3 ist an der Arbeit des Immunsystems und damit an der Abwehr des Körpers gegen Krankheitserreger wie Aspergillus fumigatus beteiligt. Dringt der Erreger in den Körper ein, markiert Pentraxin 3 diesen, damit ihn die Immunzellen schneller vernichten können. Es leistet also entscheidende Vorarbeit.

Individuelle Behandlung

In die Nutzung und Weiterentwicklung der Ergebnisse setzen Wissenschaftler und Ärzte große Hoffnungen. "Natürlich ist die Suche nach weiteren Risikofaktoren essenziell – die Infektion mit Aspergillus fumigatus ist von vielen Risikofaktoren abhängig", so Kurzai. Eine entsprechende große Studie laufe bereits. Aber bereits die jetzt vorliegenden Ergebnisse seien ein Durchbruch – auf dieser Basis und unter Einbeziehung der laufenden Studie soll in naher Zukunft eine Art Schnelltest entwickelt werden, der anzeigt, wie sehr ein Patient wirklich gefährdet ist.

"Mehr als fünf Milliliter Blut und einen Tag Zeit zum Testen bräuchten wir dafür nicht. Mit einem solchen Test könnte man auch die Gabe von Medikamenten reduzieren, denn bisher werden alle Risiko-Patienten – ganz gleich, ob sie die Infektion bekommen oder nicht – vorsorglich behandelt", sagt Kurzai. Dadurch wäre nicht nur eine individuellere, sondern auch kostengünstigere Behandlung möglich. (red, derStandard.at, 30.1.2014)

Originalpublikation:

Genetic PTX3 Deficiency and Aspergillosis in Stem-Cell Transplantation. N Engl J Med 2014; 370:421-432 January 30, 2014 DOI: 10.1056/NEJMoa1211161

  • Der Schimmelpilz Aspergillus fumigatus, aufgenommen im Rasterelektronenmikroskop.
    foto: hki

    Der Schimmelpilz Aspergillus fumigatus, aufgenommen im Rasterelektronenmikroskop.

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