Kindergesundheit: Gemischte Bilanz für Österreich

30. Jänner 2014, 12:36
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In Österreich fehlen 60.000 bis 80.000 Therapieplätze - statt kostenloser Zahnspangen müsse Bildung in den Vordergrund rücken

In Sachen Kindergesundheit hat es in den vergangenen fünf Jahren in Österreich Fortschritte in gegeben - trotzdem existieren anhaltende Defizite. So fehlen nach wie vor 60.000 bis 80.000 Therapieplätze, so die Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit anlässlich der Vorstellung ihres Jahresberichtes. "Auf Planungs- und Strategieebene ist recht viel geschehen. Die Schwierigkeit liegt darin, Visionen und Ideen auch umzusetzen", sagt ihr Präsident Klaus Vavrik.

"Tropfen auf den heißen Stein"

Mit dem Kinder-Gesundheitsdialog, einer Strategie für Kinder- und Jugendgesundheit des Gesundheitsministeriums und der Aufnahme dieses Themas in die Rahmengesundheitsziele des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger seien Fortschritte erzielt werden. Doch die Realität für die Betroffenen sieht oft anders aus.

In Wien sind zwar sechs Kassenstellen für Kinder- und Jugendpsychiatrie geplant, in Niederösterreich fünf. Es sollen dort auch 30 Stellen für Ergotherapie geschaffen werden,  im Burgendland außerdem mehr Logopädie-Einrichtungen. "Der Mangel ist aber so groß, dass das ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Es fehlen 60.000 bis 80.000 Therapieplätze für Kinder und Jugendliche. Die Selbstbehalte stellen ein Hindernis dar. Es gibt 7.700 Rehab-Plätze für Erwachsene, aber nur 50 für Kinder", so Vavrik.

Gratis-Zahnspangen nicht essenziell

Mit gemischten Gefühlen bewerten die Experten auch die Pläne von Gesundheitsminister Alois Stöger, in absehbarer Zeit eine flächendeckende Gratis-Versorgung für Zahnspangen zu schaffen. "Das sind Aufwendungen von 100 Millionen Euro, wenn nicht mehr", sagt Vavrik. Diese Summe könne man anderweitig sinnvoller einsetzen, so der Kinderliga-Präsident.

Oberste Priorität wäre die kieferorthopädische Gratisversorgung nämlich nicht: "Das kann eine finanzielle Entlastung für Familien sein. Aber der Schweregrad von Zahn-Fehlstellungen und die finanziellen Möglichkeiten der Familien sind unterschiedlich", sagt Vavrik. Zielführender für die Kindergesundheit als ganzes wäre es, die Selbstbehalte für Kinder und Jugendliche bei allen Therapien abzuschaffen.

Bildung in den Vordergrund

Die Kinderliga will in diesem Jahr besonders Bildung und Kommunikation in den Vordergrund stellen. "Menschen lernen nur dann, wenn sie sich wohlfühlen und von Anderen Anerkennung erfahren. Lernen geschieht ausnahmslos in Beziehungen", betonte Risikopädagoge Gerald Koller. In Österreich gebe es hingegen eine Million Menschen, die durch das Bildungssystem nicht gefördert, sondern in ihrer Entwicklung geschädigt worden seien. Dies mache eine breite und grundsätzlichere Bildungsdiskussion und Reformschritte notwendig als sie bisher existent wären.

"In Dänemark verdienen Kindergärtnerinnen das Zweieinhalbfache dessen, was Kindergärtnerinnen in Österreich verdienen", so Koller.  Das zeige den Wert, den man diesem Bereich in nordischen Ländern zubillige. (APA, derStandard.at, 30.1.2014)

http://derstandard.at/1389858735012/Kindergesundheit-Gemischte-Bilanz-fuer-Oesterreich

  • In Sachen Kindergesundheit gibt es Handlungsbedarf - so die Österreichische Kinderliga.
    foto: dpa-zentralbild/patrick pleul

    In Sachen Kindergesundheit gibt es Handlungsbedarf - so die Österreichische Kinderliga.

  • Bericht zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich 2014

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