Für zehn Euro einen Neos-Kandidaten wählen

30. Jänner 2014, 15:40
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Europa sei keine einfache Liebe, sagt Neos-Chef Matthias Strolz vor der EU-Wahl. Er will die Intelligenz der Bürger nutzen

Wien - Die Neos erstellen ihre Kandidatenliste für die EU-Wahl mittels eines offenen Vorwahlsystems. Bis 15. Februar geben sie sich noch Zeit, dann soll die Kandidatenliste stehen. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag lieferte Parteichef Matthias Strolz einen ersten Eindruck vom EU-Wahlkampf der Neos.

Das bereits bei der Nationalratswahl genutzte Vorwahlsystem kommt auch jetzt wieder zur Anwendung. Dabei werden alle Nominierten bis zu drei Wochen lang im Internet vorgestellt. Alle aktiv Wahlberechtigten können dann gegen einen Unkostenbeitrag von zehn Euro ihre Favoriten wählen. Auch die Mitglieder des Vorstands und die Parteimitglieder vergeben Punkte an ihre bevorzugten Kandidaten. Die Punkte aus Bürgervorschlag, Vorstandsvorschlag und Mitgliedervorschlag werden dann am 15. Februar zusammengezählt, daraus soll sich der endgültige Wahlvorschlag ergeben. Auch Angelika Mlinar, die geplante EU-Spitzenkandidatin der Neos, muss sich der Abstimmung stellen.

5.000 Votings erwartet

Das Modell funktioniere und habe bisher 1.400 Vorwähler zum Mitmachen bewogen, sagt Neos-Vorstandsmitglied Michael Schuster. "Man muss hier ein Treiber und Vorreiter sein, damit sich demokratische Prozesse verändern." Die Bürger sollten mitbestimmen, wer für die Neos nach Europa gehe. Strolz meint, man müsse die Ideen und die Intelligenz der Bürger nutzen. Bis zum Ende der Vorwahlmöglichkeit erwarten die Neos, dass sich 5.000 Personen beteiligen.

Man liebe Europa, es sei aber keine einfache Liebe, erklärte Strolz. Man müsse sich jedoch die Frage stellen, ob man in Zukunft das geriatrische Zentrum der Welt werden oder eine Rolle auf dem Planeten spielen wolle.

Strolz will Russland stärker einbinden

Zu glauben, Russland und Europa gehörten nicht zusammen, ist für Strolz "fantasielos". Man müsse versuchen, Russland wieder stärker einzubinden, denn historisch gesehen würde es zu Europa gehören. "Die Revolution 1917 war ein Betriebsunfall", sagt Strolz und sagt weiter: "Tausche England gegen Russland." Wenn Großbritannien austreten sollte, wäre das zwar schade, aber "jeder ist seines Glückes Schmied". Den Rechtspopulisten müsse man Emotionen entgegenhalten, meint Strolz. Die Krise der Europäischen Union vergleicht er mit einer "pubertären Phase", aus der man mit einer gestärkten Identität hervorgehen werde.

Europa hat zu viele Telefonnummern

Damit die EU auch im 21. Jahrhundert wieder ein Leuchtturm für Demokratie werde, müsse man dieses Europa auch weiterentwickeln, sagt Strolz. Für ihn ist Europa eine Erfolgsgeschichte der Demokratie, weshalb man versuchen müsse, Europa eine Identität zu geben. Denn "wer sich nicht definiert, der wird definiert". In Anlehnung an Henry Kissinger fordert er eine Telefonnummer für Europa. Im Moment würde es 28 Nummern geben, so manche davon sei besetzt.

Dass Europa nicht mit einer Stimme sprechen könne, sei ein Jammer, so Strolz. Vor allem in der Außen- und Sicherheitspolitik müsse man gemeinsam agieren. "Wer glaubt, wir nehmen 125 syrische Flüchtlinge auf, und das Problem ist gelöst, der hat nichts verstanden." (ekk, derStandard.at, 30.1.2014)

  • "Russland muss eine europäische Zukunft haben", sagt Matthias Strolz.
    foto: apa/punz

    "Russland muss eine europäische Zukunft haben", sagt Matthias Strolz.

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