Fed fährt Infusionen weiter zurück

30. Jänner 2014, 11:15
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Zum letzten Mal tagte die US-Notenbank unter Ben Bernanke, die Anleihenkäufe werden reduziert. Asiens Börsen geraten unter Druck

Washington - Seine Amtszeit war vor allem durch die Finanzkrise geprägt. Als Chef der US-Notenbank musste Ben Bernanke viele Entscheidungen treffen. Die ultralockere Geldpolitik gehörte dazu. Am Mittwoch Abend leitete Bernanke zum letzten Mal die Sitzung der US-Notenbank. Was dort beschlossen wurde, ist keine Überraschung mehr: Die US-Zentralbank setzt den Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik fort. Die Fed kündigte an, die monatlichen Anleihenkäufe um weitere zehn Milliarden Dollar zu drosseln. Der Leitzins hingegen bleibt auf dem historischen Tiefstand zwischen Null und 0,25 Prozent.

Die Aktienmärkte in Asien reagieren ziemlich verschnupft. Insbesondere den Nikkei traf es hart: Hier wirkten sich noch zusätzlich der Rückgang eines Einkaufsmanager-Indexes in China und ein starker Yen negativ aus. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 2,5 Prozent tiefer bei 15.007 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 2,6 Prozent auf 1224 Punkte. Die Börse in Shanghai verlor 0,6 Prozent, der Hang Seng 0,5 Prozent. Auch Europas Börsen tendieren ebenfalls mit Verlusten.

Angesichts des geldpolitischen Kurswechsels in den USA geraten derzeit die Währungen mehrerer Schwellenländer seit Tagen unter Druck. Für Investoren werden dagegen durch die Aussicht auf höhere Zinsen US-Anlagen wieder attraktiver.

"Wachsende Stärke"

Nach der zweitägiger Sitzung hatte der für die Geldpolitik zuständige Offenmarktausschuss der Federal Reserve mitgeteilt, ab Februar nur noch Staatsanleihen und Hypothekenpapiere im Umfang von 65 Milliarden Dollar monatlich aufzukaufen. Die Zentralbank stellte in ihrer Erklärung eine "wachsende Stärke in der breiteren Wirtschaft" fest.

Über mehrere Programme zum Anleihenkauf pumpte die Fed seit Mitte 2008 im Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise rund drei Billionen Dollar in den Wirtschaftskreislauf. Damit sollten die Zinsen noch stärker gedrückt und Kredite verbilligt werden. Im Dezember begann die Notenbank dann mit dem Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik.

Sollten sich die Erwartungen einer weiteren Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt und einer Annäherung der Inflation an das langfristige Ziel von zwei Prozent bestätigen, werde die Drosselung der Anleihenkäufe bei den nächsten Zinssitzungen wahrscheinlich weitergehen, teilte der Offenmarktausschuss mit.

Reaktionen

Mehrere Schwellenländer reagierten bereits vor der Entscheidung in den USA mit Zinserhöhungen, um ihre Währungen zu stützen. Angesichts der anhaltenden Schwäche der türkischen Lira hob die Zentralbank in Ankara die Zinssätze in der Nacht zum Mittwoch drastisch an. Die Rate, zu der sich Banken über Nacht frisches Geld leihen können, stieg von 7,75 auf zwölf Prozent. Der Leitzins wurde von 4,5 auf zehn Prozent heraufgesetzt. Die Lira, deren Wert seit Dezember gegenüber dem Dollar und dem Euro etwa zehn Prozent nachgegeben hatte, erholte sich aber nur vorübergehend leicht.

Auch Südafrikas Notenbank erhöhte den Leitzins überraschend um eine halben Prozentpunkt auf 5,5 Prozent, um das Inflationsrisiko einzudämmen, das durch die anhaltende Entwertung des Rand im Vergleich zu den Referenzwährungen verschärft wird. Experten hatten angesichts eines langsamen Wirtschaftswachstums eigentlich einen gleichbleibenden Zins erwartet. (APA/Reuters/red, derStandard.at, 30.1.2014)

  • Ben Bernake leitete zum letzten mal die Sitzung - ab 1. Februar übernimmt Janet Yellen den Vorsitz.
    foto: ap/brandon

    Ben Bernake leitete zum letzten mal die Sitzung - ab 1. Februar übernimmt Janet Yellen den Vorsitz.

  • Die erneute Drosselung der Flut billigen Geldes war von Ökonomen erwartet worden.
    foto: reuters/murad sezer

    Die erneute Drosselung der Flut billigen Geldes war von Ökonomen erwartet worden.

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