Aus dem Leben eines stillen Fluchthelfers

30. Jänner 2014, 08:48
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Erster Spielfilm über den Schweizer Polizeihauptmann Paul Grüninger

Hohenems - Der Schweizer Polizeihauptmann Paul Grüninger hat zwischen 1938 und 1939 Tausenden Juden das Leben gerettet. In Hohenems, unweit jener Grenze, an der über Leben oder Tod entschieden wurde, fand am Dienstagabend die Österreichpremiere des ersten Spielfilms über Grüningers Wirken statt.

Akte Grüninger zeigt, wie selbstverständlich für den stillen Beamten die Fluchthilfe war. Dass er zur Rettung der jüdischen Flüchtlinge Urkunden fälschte, die Schweizer Gesetze missachtete, nahm er in Kauf: "Es ging darum, Menschen zu retten, die vom Tod bedroht waren. Wie hätte ich mich unter diesen Umständen um bürokratische Erwägungen und Berechnungen kümmern können?"

Aus der Vergangenheit wenig gelernt

Grüninger wurde 1939 fristlos entlassen, ein Jahr später gerichtlich verurteilt. Das Urteil wurde erst 1995 aufgehoben. Mit Akte Grüninger skizzieren Alain Gsponer (Regie) und Bernd Lange (Drehbuch) die politischen Hintergründe: Antisemitismus, Opportunismus, Angst vor aber auch Sympathie für die Nazi-Nachbarn.

Bescheiden wie ihr Vater war, kommentierte die 90-jährige Ruth Roduner Grüninger den Film: "Hier an der Grenze haben viele Menschen geholfen, nicht nur mein Vater." Leider habe man aus der Vergangenheit wenig gelernt: "Man muss sich nur die heutige Flüchtlingspolitik anschauen." Der Film polarisiert bereits vor dem offiziellen Start (30.1.). Produzentin Anne Walser: "Es geht um moderne Themen. Am 9. Februar wird in der Schweiz über die Flüchtlingspolitik abgestimmt. Da steht der Film quer in der Landschaft." Die Abstimmung gegen "Masseneinwanderung" wurde von rechts initiiert.

Das Jüdische Museum Hohenems bietet zum Film ein Vermittlungsprogramm mit Spaziergängen an der Grenze an. Gemeinsam mit erinnern.at wurden Lernmaterialien erarbeitet. (jub, DER STANDARD, 30.1.2014)

  • Stefan Kurt in der Rolle von Paul Grüninger. 
    foto: filmladen/ammann

    Stefan Kurt in der Rolle von Paul Grüninger. 

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