Marco Ladner, 15-jähriger Olympiateilnehmer

Porträt29. Jänner 2014, 18:54
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Der junge Ski-Freestyler aus Tirol ist nur selten nervös, freut sich über seinen Rekord und will mehr

Wien - "Das g'freit mi schon echt." Was soll es auch sonst tun, und was soll er auch sonst sagen? Der 15-jährige Tiroler Marco Ladner ist vor zwei Tagen olympisch eingekleidet worden, gestern wurde er von Bundespräsident Heinz Fischer empfangen. Er nützte die Verabschiedung des ÖOC-Teams nach Sotschi, um mit dem Handy ein Foto von sich selbst und Fischer zu schießen - das "Selfie mit UHBP" macht derzeit richtig Schule .

Natürlich freut sich Marco Ladner. Und darüber, dass in der Nachkriegszeit zwar eine ÖOC-Wintersportlerin, nämlich 1976 die Eiskunstläuferin Claudia Kristofics-Binder mit 14 Jahren und 122 Tagen, aber kein Wintersportler jünger gewesen ist als er, darüber freut er sich erst recht. Zur Eröffnung am 7. Februar ist er 15 Jahre und 291 Tage alt. Allerdings gibt sich der Ski-Freestyler die Eröffnung maximal im Fernsehen, Ladner wird am 11. nach Sotschi fliegen, sein Halfpipe-Wettkampf ist am 18. Februar angesetzt.

Seinen Eintrag ins ÖOC-Rekordbuch führt Ladner darauf zurück, "dass alles sehr schnell gegangen ist". Vor fünf Jahren war er noch begeisterter Snowboarder, dann schnallte er daheim in Ischgl im Paznauntal wieder einmal zwei Bretter an. Und er konnte kaum schnallen, wie sehr es ihm taugte. Mit den Skiern stellten sich sehr bald erste Erfolge ein. Kleine Contests, Europacup, Weltcup, so hießen die Stationen. Seit Jahren schon fährt Marco für den Skiclub Arlberg, der rasch auf ihn aufmerksam geworden ist. Heuer ging er seine erste komplette Weltcupsaison an. Rang neun in Calgary war die Basis zur Olympia-Qualifikation, als 26. in Breckenridge, Colorado, löste er das Ticket. Mag sein, es gibt Sportarten mit größerer Dichte, das ficht ihn nicht an. "Für mich ist es ein riesiger Erfolg, dass ich dabei bin."

Die Top-20-Nuss

Damit will er sich nicht zufriedengeben, er will unter die Top 20. "Das wird eine harte Nuss", sagt ÖSV-Coach Christian Rijavec. Dreißig Freestyler nehmen mit je zwei Läufen an der Quali teil, der bessere Lauf wird gewertet. Das Finale der besten zwölf wird für Ladner wohl außer Reichweite sein. Seine Stärke? "Ich werde nicht so leicht nervös." Seine Schwäche? "Wenn ich den ersten Lauf nicht so gut hingekriegt habe, werd ich vielleicht doch ein bisserl nervös."

Die Wettkämpfe sind die eine Seite des Sports, die Werbeaufnahmen die andere, lukrativere. Auf Youtube finden sich schon Filme mit Ladner-Action, gut möglich, dass er bald ordentlich verdienen kann. Zu seinen Ausrüstern (Scott, Leki) hat sich nun ein weiterer Sponsor gesellt, der Sponsor heißt Ischgl. Die Besten in Ladners Disziplin kommen aus Kanada und den USA, sie sind Vollprofis. "Dort bauen sie die besten Pipes, das ist entscheidend." Fünf bis sieben Sprünge pro Lauf sind zu zeigen, Punkterichter bewerten Schwierigkeit und Ausführung. Das Tragen eines Helms ist verpflichtend, das Tragen von Kopfhörern nicht. Marco trägt sie freiwillig, auch während eines Laufs hört er Musik. "Am liebsten Hip-Hop."

Seit Herbst besucht Marco das Sportrealgymnasium Saalfelden, er ist also relativ weit weg von daheim. "Ich bin's gewöhnt." Sein Sport hat ihn schon in die USA, nach Kanada und Neuseeland geführt. "Wahrscheinlich bin ich reif für mein Alter." Die Eltern, die in Ischgl das Unternehmen Alpentaxi führen, und der 19-jährige Bruder Sandro müssten ihn nicht begleiten nach Sotschi, wollen es aber unbedingt tun. Marcos Freundin würde auch gerne mitkommen. "Sie muss aber in die Schule gehen." (Fritz Neumann, DER STANDARD, 30.1.2014)

  • Marco Ladner fährt nach Sotschi.
    foto: apa

    Marco Ladner fährt nach Sotschi.

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