Goldiges und Glühendes im Musikverein

29. Jänner 2014, 18:36
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Das Scottish Chamber Orchestra unter Robin Ticciati

Wien - Bevor sich der Konzertbetrieb semesterferienbedingt ein Winterschläfchen gönnt, war das Scottish Chamber Orchestra noch schnell da, im Musikverein. Geleitet von Chefdirigent Robin Ticciati gab der 1974 gegründete Klangkörper goldigen Mozart und glühenden Beethoven zu Gehör. Als Warm-Upper wählte man Richard Strauss' Streichsextett aus Capriccio in chorischer Ausführung.

Die (unterschiedliche) Multiplikation der sechs Stimmen führte nicht immer zu einem überzeugenden Klangergebnis: Zu Beginn fehlte aufgrund der Zaghaftigkeit der wenigen Celli ein klangliches Fundament fast völlig. Allzu gehaucht, fast wässrig kamen Strauss' liebliche Themen dahergeschwommen; Ticciati bevorzugt den Melodiefluss vor dem festen Ruderschlag des Rhythmus.

Die seifige Lieblichkeit, die bisweilen anklang, sollte sich bei Mozarts A-Dur Klavierkonzert KV 414 fortsetzen. Ticciati hatte in Paul Lewis einen pianistischen Partner gewählt, der eine gewisse Zaghaftigkeit mit ihm teilte. Der Brite spielte mit emotionaler Redlichkeit und Innigkeit; auf ansteckenden Spielwitz, Lebendigkeit, Schabernack und solistischen Splendor hoffte man vergeblich.

Lewis präsentierte einen Mozart wie aus dem Mädchenpensionat: Häkeldeckchen, weiße Stoffhandschuhe und das Temperament Peter Filzmeiers drängten sich beim Hören als weitere Assoziationsfelder auf. Man wollte Lewis an der Hand nehmen und ihn und seinen im Heiligenschrein verstauten Mozart nach draußen ins Freie führen, in die frische Luft, ins Leben.

Sehr lebendig dann aber Beethovens Fünfte. Die Hörner gönnten sich originalklanginspirierte Ausritte, das Restorchester glühte unter der Leitung des rührigen Wuschelkopfs. In Summe nicht die drastischste, radikalste Werkdeutung - aber doch eine farbige, intensive Interpretation. Begeisterung. Und jetzt ab in die Ferien. (Stefan Ender, DER STANDARD, 30.1.2014)

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