Schwarzer Fluss und dunkle Kämpfer

29. Jänner 2014, 18:09
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Herbert Brandl in der Galerie nächst St. Stephan

Wien - Nein, dieser Mann hat keine Angst. Nicht vor abstrakten Farbräuschen, Naturvorbildlichkeiten, Landschaftsillusionen, auch nicht vor Pathos oder gar Kitsch. Herbert Brandl malt: abstrakt und gegenständlich, mit Pinsel und Besen und Händen, rhythmisch, meist in Höchstgeschwindigkeit. Mit traumwandlerischer Sicherheit schafft der Farbspurenleger seine menschen- und straßen- und häuserfreien Lichträume, Nebelräume, Steinräume, seine Berg- und Wald- und Wiesenbilder.

Brandl, der unter anderem 1992 an der Documenta in Kassel teilnahm und Österreich 2007 bei der Venedig-Biennale vertrat, beschäftigt sich seit vielen Jahren - auch - mit einem in der Malerei fast schon verlorengegangenen und tabuisierten Sujet: der Natur.

Black River, Dark Fighters heißt nun also die aktuelle Ausstellung in der Galerie nächst St. Stephan. Mit weißer Gischt bahnen sich da Bäche brachial zwischen monumentalen Steinen, durch Gewächs und Gestrüpp ihre Betten. Landschaften zwischen Wasser und Land, zwischen Helligkeit und Dunkelheit, ein Wasserfall, Wind, Nebel.

Aber neben schwarzen Flüssen und Wäldern hängen auch flockig-bunte, heitere Farbkompositionen in Magenta, Grellrosa, Gelb und Hellgrün; verwaschen, als wären die Bilder just in jenem Bachbett gelegen, für dessen schützenswerten Naturzustand sich Herbert Brandl mit malerischen Mitteln seit Jahren engagiert.

In Schwanberg im steirischen Sulmtal ist der 1959 in Graz geborene Künstler aufgewachsen; dorthin zieht er sich immer noch gern zurück, lässt sich von dem Naturparadies zu seinen monumentalen Gemälden inspirieren. Namensgebend für die Gegend ist die schwarze Sulm, the black river.

Der 83 Kilometer lange Nebenfluss der Mur wurde sogar von der EU zum "Natura 2000"-Gebiet erklärt. Doch einem der letzten - noch - unverbauten Flüsse Europas droht die Verbauung durch ein Kraftwerk. Das Land Steiermark hat die Baubewilligung erteilt, aber nachdem zuerst das Umweltministerium intervenierte, fordert nun sogar die EU-Kommission eine neuerliche Überprüfung. Reagiert Österreich nicht binnen zweier Monate, kann Klage vor dem Europäischen Gerichtshof erhoben werden.

Brandl ist also der künstlerische Anwalt. Er habe keine politischen Botschaften, sagte er einmal, sondern ein in seiner Kunst verhaftetes Anliegen. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 30.1.2014)

Bis 15.3.
Galerie nächst St. Stephan
Grünangergasse1, 1010 Wien
www.schwarzwaelder.at

  • Ausstellungseinblick "Herbert Brandl – Black River, Dark Fighters".
    foto: galerie nächst st. stephan

    Ausstellungseinblick "Herbert Brandl – Black River, Dark Fighters".

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