"Frank Stronach war eine gute Person"

Interview30. Jänner 2014, 13:55
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Frank Stronach zieht Bilanz über seine Zeit als Politiker: Die Partei habe "tausende" verschiedene Charaktere angezogen

Frank Stronach hat sich als Abgeordneter aus dem Nationalrat verabschiedet. Über die Angst, dass er "das System ändern könnte" und seine Erfahrungen mit der österreichischen Politik sprach er mit derStandard.at.

derStandard.at: Sie haben Ihre letzte Rede im Parlament gehalten. Mit welchem Gefühl gehen Sie aus dem Hohen Haus?

Stronach: Ich gehe mit einem guten Gefühl. Ich habe das gemacht, was mein Gewissen mich gemahnt hat.

derStandard.at: Nach alldem, was Sie nun in der Politik erlebt haben: Was ist der größte Unterschied zwischen der Politik hierzulande und in Kanada?

Stronach: Hier braucht man ein Parteibuch. Wenn du in Wien kein rotes Parteibuch hast, hast du keine Möglichkeit, dich weiterzuentwickeln. In Niederösterreich ist es noch schlimmer. Wenn du kein schwarzes Parteibuch hast, kommst du nicht weiter. In Kanada hat das keinen Einfluss auf den Arbeitsplatz. Österreich hat Probleme, weil nicht die besten Leute weiterkommen. Du musst jemanden kennen.

derStandard.at: Sie haben für Furore gesorgt, weil Sie innerhalb kürzester Zeit einen Parlamentsklub beisammenhatten. War das von langer Hand geplant?

Stronach: Ich habe ein gewisses Alter, ich habe sehr viel gearbeitet. Ich möchte noch ein bisschen leben, deshalb hab ich das alles auf die schnelle Art gemacht.

derStandard.at: Wie ist Ihnen die Abwerbung der BZÖ-Mandatare eigentlich gelungen?

Stronach: Was immer auch die Umstände waren, jeder von ihnen muss selbst darüber nachdenken. Ich hoffe, dass die meisten mit Idealismus dabei waren.

derStandard.at: Wie konnten Sie diese Abgeordneten letztlich überzeugen?

Stronach: Wir haben gute Werte und Prinzipien.

derStandard.at: Man hat Ihnen immer wieder vorgeworfen, Sie hätten die Abgeordneten gekauft.

Stronach: Das stimmt nicht. Es wurden so viele Dinge gesagt und von den Zeitungen geschrieben, die überhaupt nicht stimmen. Man hatte Angst, dass ich das System ändern könnte.

derStandard.at: Hat man Sie bei Ihren Aufenthalten in Kanada auf Ihr politisches Engagement in Österreich angesprochen?

Stronach: Meine Freunde haben gefragt, warum ich mir das antue. Sie haben gesagt, in der Politik wird man mit Schmutz beworfen.

derStandard.at: Sie wollen nun mehr Zeit mit Ihren Enkelkindern verbringen. Würden Sie ihnen raten, in die Politik zu gehen?

Stronach: Wenn man die Möglichkeiten und Fähigkeiten dazu hat, dann ist es eine Ehre, wenn man dem Volk dienen kann.

derStandard.at: Sind im Vorfeld der Regierungsbildung eigentlich ÖVP und FPÖ an Sie herangetreten zwecks Bildung einer Koalition?

Stronach: Nein, das war kein Thema.

derStandard.at: In Niederösterreich und in Kärnten erhielten Sie auf Anhieb zehn Prozent der Wählerstimmen. Warum ist Ihnen bei der Nationalratswahl kein solches Ergebnis gelungen?

Stronach: Die Medien haben da eine große Rolle gespielt. Du kommst ja nur auf die Titelseite, wenn du den Stronach schlechtmachen kannst. Sonst kommst du nicht auf die Titelseite. Und jeder Journalist will auf der Titelseite sein. Ich weiß, wer ich bin. Meine Freunde wissen, wer ich bin. Im Laufe der Zeit werden die Österreicher feststellen, der Frank Stronach war eine gute Person.

derStandard.at: Hätten Sie vielleicht manche Dinge nicht fordern sollen? Etwa die Todesstrafe für Berufskiller?

Stronach: Man muss darüber nachdenken, denn das ist ein schlechter Beruf. Jeder Mensch hat ein Recht darauf, leben zu können.

derStandard.at: Soll das Team Stronach bei der Europawahl antreten?

Stronach: Das hängt vom Team ab. Die müssen das selbst entscheiden. Ich bin nicht in jede Entscheidung eingebunden.

derStandard.at: Sie geben kein Geld mehr her?

Stronach: Die haben genug Geld.

derStandard.at: Mit einigen Landesparteien gab es heftige Auseinandersetzungen. Was hätten Sie diesbezüglich anders machen sollen?

Stronach: Wenn man so schnell wächst - wir haben Tausende, die mitmachen wollen -, gibt es verschiedene Charaktere. Wir haben jetzt Zeit, dass wir aussortieren. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 29.1.2014)

FRANK STRONACH (81) ist ein österreich-kanadischer Industrieller und Parteigründer des "Team Stronach".

  • Stronach: "Ich möchte noch ein bisschen leben, deshalb hab ich das alles auf die schnelle Art gemacht."
    foto: reuters/foeger

    Stronach: "Ich möchte noch ein bisschen leben, deshalb hab ich das alles auf die schnelle Art gemacht."

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