UN-Gericht spricht Peru Teil des Pazifiks zu

29. Jänner 2014, 17:03
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Chile behält fischreiche Küstengewässser und will Urteil anerkennen, Nationalisten und Fischer protestieren

Die Urteilsverkündung des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag wurde am Montag sowohl in Chile als auch in Peru live im Fernsehen übertragen. Seit dem Salpeterkrieg zwischen den beiden Staaten in den Jahren 1879 bis 1884 war die Seegrenze, die die reichen Fischgründe im Pazifik teilt, umstritten.

Die Richter sprachen Peru nun mehr als die Hälfte der 38.000 Quadratkilometer zu, die das Land ursprünglich beansprucht hatte. Die neue Grenze soll von der Landgrenze zwischen den beiden Ländern ausgehend 80 Seemeilen (148 Kilometer) geradeaus nach Westen verlaufen, bevor sie dem Küstenverlauf entsprechend nach Südwesten abbiegt. Die genaue Festlegung der neuen Seegrenze überließen die Richter den Streitparteien.

Chile muss damit zwar Teile des bisher beanspruchten Territoriums abtreten, ein guter Teil der reichen Fischgründe in Küstennähe bleibt dem Land allerdings erhalten. Perus Präsident Ollanta Humala bedankte sich beim Vertreter seines Landes in Den Haag, sein chilenischer Amtskollege Sebastian Piñera, der demnächst das Amt an Michelle Bachelet übergibt, beklagte zwar den Gebietsverlust, sagte aber zu, dass sein Land das Urteil umsetzen werde.

Proteste in Chile

Chiles Außenminister Alfredo Moreno sprach im Radio von einem "bitteren Geschmack", den das Urteil hinterlasse. In der Hauptstadt Santiago demonstrierten Nationalisten gegen das Urteil, in der Hafenstadt Arica setzte die chilenische Polizei einen Wasserwerfer ein, um protestierende Fischer zu vertreiben, die eine Kaserne mit Steinen beworfen hatten.

Die beiden südamerikanischen Länder bilden seit 2012 gemeinsam mit Mexiko und Kolumbien die "Pazifikallianz", über deren Häfen die Hälfte der lateinamerikanischen Exporte abgewickelt wird.

Die Beziehungen zwischen beiden Andenländern sind seit dem Salpeterkrieg angespannt. Das gut gerüstete Chile gewann damals den Krieg gegen Bolivien und Peru, das aufgrund eines Bündnisvertrags mit Bolivien in den Krieg hineingezogen wurde. Damals annektierte Chile Teile Boliviens und Perus und besetzte zudem fast drei Jahre lang die Hauptstadt Lima.

Das Urteil könnte auch Auswirkungen auf ein anderes Verfahren haben, das in Den Haag noch anhängig ist. Bolivien reichte 2013 Klage ein, um einen eigenen Zugang zum Pazifik zu bekommen, den das Land im Salpeterkrieg verloren hatte. (bed, derStandard.at, 29.1.2014)

  • Liveübertragung des Urteils in Perus Hauptstadt Lima.
    foto: reuters/enrique castro-mendivil

    Liveübertragung des Urteils in Perus Hauptstadt Lima.

  • Chilenische Nationalisten protestieren gegen das Urteil.
    foto: ap photo/luis hidalgo

    Chilenische Nationalisten protestieren gegen das Urteil.

  • Die UNO-Grafik zeigt den neu festgelegten Grenzverlauf.
    grafik: uno

    Die UNO-Grafik zeigt den neu festgelegten Grenzverlauf.

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