Die nächste Generation Henrik Kristoffersen

29. Jänner 2014, 14:04
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Schladming-Triumphator beeindruckt die Konkurrenten im Slalom mit Kaltschnäuzigkeit und technischer Versiertheit

Schladming - Von wegen Marcel Hirscher gegen Felix Neureuther - aus dem programmierten Duell um Olympia-Gold im Slalom ist mittlerweile zumindest ein Vierkampf geworden. Nach Wengen-Sieger Alexis Pinturault gesellte sich am Dienstag auch Schladming-Triumphator Henrik Kristoffersen zum Kreis der Topfavoriten. Die Konkurrenz staunt über die Kaltschnäuzigkeit und die technisch feine Klinge des 19-Jährigen.

"Das ist schon wieder eine neue Generation", sagte Hirscher, selbst erst 24 Jahre alt. Vor mittlerweile sieben Jahren war es noch Hirscher selbst gewesen, der mit seinem ganz eigenen Stil für Aufsehen sorgte. "Da haben alle gesagt: Wie kommt denn der Hirscher komisch daher?"

"Clever und technisch brillant"

Mittlerweile schaut sich Hirscher die Kristoffersen-Videos an, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. "Henrik fährt clever und technisch brillant. Er kann den Schwung sehr stark zumachen und hat die Coolness eines 19-Jährigen", meinte Hirscher über die Pluspunkte des Shootingstars.

Hirscher kann sich selbst noch gut an seine unbeschwerte Zeit erinnern. "Da war es mir völlig Banane, ob ich ausscheide. Hauptsache, ich hatte Spaß." Doch Hirscher weiß nur zu gut, dass Spitzenergebnisse für die Öffentlichkeit sehr bald zur Normalität und zweite Plätze wie seiner in Schladming mancherorts sogar fast schon als Niederlage gesehen werden.

"Dummer, dummer, dummer Idiot"

Doch dabei macht Hirscher nicht mit. "Ich habe eine extreme Freude mit diesem Rennen, weil mein Gesamt-Setup sehr gut passt." Dass er mit einigen Fehlern im Finish den Sieg verspielte, ärgerte den Slalom-Weltmeister aber doch ziemlich. Seine ersten Gedanken waren deshalb nach dem Rennen: "Du dummer, dummer, dummer Idiot. Aber das ist Skifahren. Jeder macht Fehler, auch Henrik und Felix. Henrik hat am wenigsten gemacht, deshalb hat er auch verdient gewonnen."

Auf viele Einfädler und Ausfälle von Kristoffersen darf die Konkurrenz offenbar nicht hoffen. "Ich bin erst sieben Mal ausgeschieden, in meiner ganzen Karriere", berichtete der Norweger. Ein Faktum, das Neureuther kaum glauben konnte: "Unglaublich. Ich bin in den ersten Rennen meiner Karriere sieben Mal ausgeschieden." Im Slalom-Weltcup führt Hirscher nun 50 Punkte vor den Ex-aequo-Zweiten Neureuther und Kristoffersen.

Dreieinhalb Wochen Slalom-Pause

Dass bis zum Olympia-Rennen am 22. Februar dreieinhalb Wochen kein Slalom mehr auf dem Programm steht, beunruhigt Hirscher nicht. Vielmehr freut sich der zweifache Gesamtweltcup-Sieger, dass mit dem Riesentorlauf am Sonntag in St. Moritz äußerst strapaziöse Wochen zu Ende gehen. "Ich bin so froh, dass jetzt dann ein bisschen Ruhe ist", sagte Hirscher.

In den vergangenen Monaten hatte Hirscher sehr viel Zeit und Energie in die Riesentorlauf-Aufholjagd auf Ted Ligety investiert. Die Zeit bis zu seinen beiden Olympia-Einsätzen will er daher vermehrt in Slalom-Einheiten investieren.

Seine Ski "eine Woche ins Eck stellen" will jetzt Mario Matt. Der Tiroler, der 15 Jahre älter als Kristoffersen ist, schied in Schladming als Halbzeitführender aus. "Extrem bitter. Aber ich werde mich davon erholen, weiterarbeiten und in Sotschi angreifen", versprach der Routinier. (APA, 29.1.2014)

  • Ein neuer Stern am Slalom-Himmel: Henrik Kristoffersen.
    foto: ap/ giovanni auletta

    Ein neuer Stern am Slalom-Himmel: Henrik Kristoffersen.

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