"Rauchstopp würde viele Probleme lösen"

29. Jänner 2014, 12:27
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Rauchen ist die Hauptursache für Blasenkrebs - Studien belegen, dass Nikotinabstinenz auch nach der Diagnose die Überlebenschance verbessert

Wien - In Europa sind mehr als 550.000 Personen von Blasenkrebs (Urothelialkarzinomen) betroffen. Bei Männern rangiert Blasenkrebs im Länderdurchschnitt auf Platz fünf, bei Frauen auf Platz elf. Experten betonen, dass die Tendenz bei Frauen steigend ist, da sie heute eher zur Zigarette greifen als noch vor 20, 30 Jahren. 60 bis 70 Prozent der an Blasenkrebs erkrankten Menschen sind Raucher oder ehemalige Raucher - meistens über 65 Jahre.

Tumore bei Raucher aggressiver

Shahrokh Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien im AKH hat mehrere Studien zum Einfluss von Rauchen und dem Rauchstopp auf Blasenkrebs unter die Lupe genommen. Seiner Einschätzung nach sind die Ergebnisse der jüngsten Untersuchungen ernüchternd: Demnach zeigte sich, dass der Tumor bei Rauchern wesentlich aggressiver ist als bei Nichtrauchern. Das heißt, Raucher entwickeln meist ein höheres Tumorstadium, haben mehr Metastasen, sprechen schlechter auf Therapien an, benötigen höhere Dosen und haben eine höhere Rezidivrate (Wiederauftreten des Tumors; Anm.).

"Rauchern und Exrauchern geht es in jeder Beziehung schlechter als Nichtrauchern", lautet das Fazit von Shariat. Allerdings zeigen die Studien auch, dass ein Rauchstopp selbst nach der Diagnose "Blasenkrebs" die Prognose verbessert. "Rauchen beeinträchtigt das Immunsystem und nimmt dem Körper die Kraft den Tumor zu bekämpfen. Egal, wann man mit dem Rauchen aufhört, der Rauchstopp hilft Blasenkrebs zu überwinden beziehungsweise ihn unter Kontrolle zu halten", ist der Mediziner überzeugt.

Nikotinabstinenz als Problemlöser

Shariat fordert nun die Einführung von Raucherentwöhnungsprogrammen und Antiraucherkampagnen. "Es ist unsere Pflicht, Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene zu schützen. Ich bin überzeugt, dass ein allgemeiner Rauchstopp viele Probleme in unserem Gesundheitssystem lösen würde, weil die Menschen weniger krank wären, weniger ärztliche Hilfe benötigten und auf Therapien besser ansprächen. Mit einfachen Mitteln könnten enorme Verbesserungen erzielt werden", so der Urologe. (red, derStandard.at, 29.1.2014)

  • "Egal, wann man mit dem Rauchen aufhört, der Rauchstopp hilft Blasenkrebs zu überwinden beziehungsweise ihn unter Kontrolle zu halten", sagt der Urologe Shahrokh Shariat von der MedUni Wien.
    foto: apa/dpa/johannes eisele

    "Egal, wann man mit dem Rauchen aufhört, der Rauchstopp hilft Blasenkrebs zu überwinden beziehungsweise ihn unter Kontrolle zu halten", sagt der Urologe Shahrokh Shariat von der MedUni Wien.

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