Mega-Zinssprung in der Türkei beruhigt Anleger

29. Jänner 2014, 15:52
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Europas Anleger setzen auf ein Ende der Kapitalflucht aus den Schwellenländern. Die Ungewissheit über den Fed-Entscheid bremst die Kauflust

Frankfurt/Ankara – Die Aktienanleger in Europa haben am Mittwoch nach der drastischen Zinserhöhung durch die türkische Zentralbank auf ein vorläufiges Ende der Kapitalflucht aus den Schwellenländern gesetzt. Die Börsen tendieren einheitlich mit Gewinnen. Allerdings dämpfte Ungewissheit über die Entscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwoch Abend die Kauflaune.

Der Währungsverfall großer Schwellenländer hat in den vergangenen Wochen Anleger und Wirtschaftsexperten reichlich nervös gemacht. Die Notenbanken der Türkei und zuvor Indiens stemmen sich nun mit entscheidenden Schritten dagegen. Die massive Leitzinserhöhung in der Türkei sorgte in der Folge für Beruhigung an den Finanzmärkten vieler Schwellenländer.

Am späten Vorabend hatte sich die türkische Notenbank mit einem geldpolitischen Kraftakt gegen den drastischen Kursverfall der Lira gestemmt: der Leitzins wurde auf einen Schlag von bisher 4,5 Prozent auf zehn Prozent angehoben. Viele Experten sehen diesen Schritt als überfällig an, in seiner Heftigkeit kam er aber doch überraschend. Die Notenbank war am Dienstagabend zu einer Krisensitzung in Ankara zusammengekommen und beschloss spektakuläre Erhöhungen von wichtigen Referenzzinsen für die Wirtschaft. Die Lira wertete wie beabsichtigt kräftig auf: Ihr Kurs legte um sieben Prozent zum Dollar zu und machte damit den größten Sprung seit gut fünf Jahren.

Schwellenländer-Währungen auf Erholungskurs

Auch andere Schwellenländer-Währungen, die zuletzt stark unter Druck standen, legten kräftig zu. Der südafrikanische Rand stieg um 1,2 Prozent zum Dollar. Südkoreas Won verzeichnete den stärksten Kursanstieg seit vier Monaten. Indiens Rupie und Indonesiens Rupiah kletterten ebenfalls deutlich. Der argentinische Peso und der brasilianische Real konnten sich weiter stabilisieren.  Die Aktienmärkte reagierten ebenfalls positiv. Der breite Schwellenländer-Aktienindex MSCI Emerging Markets zog um 1,2 Prozent auf 944,90 Punkte an - so stark wie seit Mitte November nicht mehr.

Die türkische Währung befand sich in den vergangenen Wochen im freien Fall. Als ausschlaggebend gelten politische und wirtschaftliche Gründe. So steht die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan auch wegen eines Korruptionsskandals schwer unter Druck. Hinzu kommt die starke Abhängigkeit des Landes von ausländischem Kapital, was sich in hohen Handelsdefiziten spiegelt. Die Inflation liegt mit 7,4 Prozent auf hohem Niveau.

Erschwerend kommt für die Türkei wie für viele andere Schwellenländer die Politik der US-Notenbank Fed hinzu. Weil die Fed ihre Flut des billigen Geldes drosselt, ziehen Investoren in großem Maßstab Mittel aus den Regionen ab, die in den vergangenen Jahren von der Liquiditätsschwemme profitiert hatten. (Reuters/red, derStandard.at, 29.1.2014)

  • Blick auf eine Wechselstube in Istanbul
    foto: ap/gurel

    Blick auf eine Wechselstube in Istanbul

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    grafik: apa
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