Apples 36-Milliarden-Dollar-Enttäuschung

28. Jänner 2014, 18:50
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Der US-Techgigant Apple stellt zwar einen Absatzrekord auf, doch an der Börse rutscht die Aktie deutlich ab

Cupertino/Wien - An den Finanzmärkten kann auch ein Rekordergebnis zu massiven Kursverlusten führen. Der US-Elektronikkonzern Apple hat zwar im abgelaufenen Quartal so viele iPhones und iPads wie nie verkauft (51 Millionen iPhones, 26 Millionen iPads). Doch die Aktie gab um über 7,5 Prozent nach. Rund 36 Milliarden Dollar an Marktwert wurden damit auf einen Schlag ausradiert. Apple ist an der Börse mit einem Marktwert von immer noch knapp 460 Mrd. Dollar eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Hohe Kursverluste sind daher relativ selten. Nur achtmal in den vergangenen fünf Jahren hat die Apple-Aktie an einem Tag mehr als fünf Prozent verloren, nur einmal mehr als acht Prozent.

Wie kommt eine derart heftige Reaktion wie am Dienstag zustande? Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Vernichtung von 36 Milliarden Dollar an Marktwert an nur einem Tag könnte Anzeichen einer Panik sein, von Privatanlegern, die eine heiße Aktie fallen lassen. Doch die Aktionäre von Apple sind zu großen Teilen professionelle Investoren. Laut Daten von Thompson Reuters werden 62 Prozent der Anteile von Apple von institutionellen Anlegern wie Fondsgesellschaften oder Versicherern gehalten. Diese sollten eigentlich langfristig orientierte Investoren sein.

Die großen Schwankungen der Apple-Aktie hängen mit den hohen Erwartungen der Anleger zusammen. Die Bewertung jeder Aktie hängt an der Gewinnerwartung. Viele Analysten bewerten Aktien mithilfe eines "discounted cash flow"-Modells. Sie errechnen dabei den Börsenwert heute mit den erwarteten Gewinnen der kommenden Jahre. Und im Fall von Apple trauen Analysten und Aktionäre dem in Cupertino ansässigen Unternehmen hohe Steigerungen zu. Im Schnitt erwarten Experten einen Gewinnwachstum von 15 Prozent pro Jahr bis 2019.

Erwartungen nicht erfüllt

Erfüllt das Unternehmen aber diese ambitionierten Erwartungen nicht, kann der Marktwert an der Börse schnell dahinschmelzen. Ein Prozentpunkt weniger Gewinnwachstum bis 2019 nagt bereits heute deutlich am Kurswert.

Analysten nehmen es daher besonders ernst, wenn Firmenchef Tim Cook Zukunftsprognosen abgibt und hoffen auf ein neues Gerät wie das iPhone oder das iPad, das zum Kassenschlager wird. Dass Apple aber im ersten Quartal 2014 mit etwas niedrigerem Umsatz rechnet, bezeichnet Morningstar-Analyst Brian Colello etwa als "ein beunruhigendes Zeichen". Aber Apple lässt sich wie in der Vergangenheit Zeit mit dem nächsten neuen Produkt. Über einen Multimedia-Fernseher wurde jahrelang spekuliert, auch die erwartete Computer-Uhr gibt es noch nicht. Dieses Jahr soll es allerdings so weit sein mit einer neuen Apple-Innovation, versprach Cook am Montag.

Allerdings sagt der Verkaufsrekord von iPhones und iPads oder anderer neuer Produkte noch nicht viel darüber aus, wie viel das Unternehmen tatsächlich verdient. Tatsächlich ist der Gewinn von Apple im vierten Quartal trotz eines neuen Umsatzrekords gleich geblieben, bei 13,1 Milliarden Dollar. Die Profitmarge ist um knapp 0,7 Prozentpunkte gefallen. Apple verdient daher etwas weniger bei jedem verkauften Produkt.

Dazu kommt, dass die Apple-Aktie bis zuletzt besonders gefragt war. In den vergangenen sechs Monaten verteuerten sich die Papiere um über 20 Prozent, weil die Investoren ihre Erwartungen wieder hochgeschraubt hatten. So hat der aktivistische Investor Carl Icahn Anteile an Apple angehäuft, weil er fordert, dass das kalifornische Unternehmen seinen hohen Berg an Barmitteln an die Investoren auszahlt. Doch auf rasche Kursanstiege folgen - nicht nur bei der Apple-Aktie - regelmäßig Enttäuschungen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 29.1.2014)

  • Bergauf geht es für Apple zwar beim Umsatz. Doch die Aktionäre sind von den jüngsten Zahlen aus Cupertino enttäuscht. Sie bewerten das Unternehmen um 36 Milliarden Dollar weniger.
    foto: reuters

    Bergauf geht es für Apple zwar beim Umsatz. Doch die Aktionäre sind von den jüngsten Zahlen aus Cupertino enttäuscht. Sie bewerten das Unternehmen um 36 Milliarden Dollar weniger.

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