Gegensätze vereinen

28. Jänner 2014, 18:29
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Das Kunsthaus Bregenz zeigt die erste österreichische Einzelausstellung des aus Kamerun stammenden Künstlers Pascale Marthine Tayou. Er variiert Gegensätze inhaltlich wie materiell

Bregenz - Rund um das Kunsthaus Bregenz (KUB) bewerben Plakate mit dem Schriftzug "I love you!" die Ausstellung von Pascale Marthine Tayou im Kunsthaus Bregenz. Dass viele im Ausstellungstitel jedoch fälschlicherweise die Aufforderung "Move you!" lesen, bedingt die Konstruktion der fotografierten Neon-Leuchtschrift - was aber symptomatisch ist für die immer neue Sichtweisen ermöglichende Schau Tayous.

International bekannt wurde der in Kamerun geborene Künstler durch seine Teilnahmen an der Documenta 2002 sowie der Biennale Venedig 2005 und 2009. Das Kunsthaus Bregenz widmet ihm seine erste österreichische Einzelausstellung.

Tayous Arbeiten vereinen Gegensätze, irritieren, verstören und besänftigen: An der KUB-Fassade begrüßen abermals die Worte "I love you" , aber bereits auf dem Weg ins erste Geschoß wartet die erste Irritation. Im Treppenaufgang ragen zugespitzte Holzpfähle bedrohlich von der Decke. Harmloser, geradezu meditativ, wirken dagegen die im ersten Stockwerk gezeigten großformatigen Bilder wie BoboLand oder La cour de ma mère, für die Materialien wie afrikanische Erde oder Gips verwendet wurden.

In mehr als 100 Arbeiten wird die Vielseitigkeit Tayous bewiesen. Die Besonderheit liegt vor allem darin, dass er unterschiedliche Materialien - Blech, Holz, Kristall - miteinander in Beziehung setzt: So verweist vieles (etwa die Formen) auf afrikanische Stammeskunst, anderes (Materialien) auf europäisches Kunsthandwerk. Wichtig ist Tayou, dass Gegensätze vereinbar und vermeintliche Widersprüche überwunden werden können; dem verleiht er auch in der Weiblichkeit signalisierenden Hinzufügung eines "e" im eigenen Vornamen Ausdruck.

Die scheinbar schwerelos an der Decke schwebenden Arbeiten The Falling Houses wurden allerdings im Vorfeld zur Belastungsprobe: Um sie zu fixieren, musste die Decke angehoben werden. Die Realisierung seiner oft aufwändigen Ideen verdankt sich oft - und auch in Bregenz - der Zusammenarbeit mit anderen. Teil eines gemeinschaftlichen Prozesses zu sein ist Pascale Marthine Tayou wichtig: "Es ist nicht meine Ausstellung, es ist unsere." (Nicole Wehinger, DER STANDARD, 29.1.2014)

Ausstellung bis 27. 4.

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Kunsthaus Bregenz

  • Pascale Marthine Tayou zeigt im Kunsthaus Bregenz Fruchtbarkeitssymbole verschiedener Kulturen.
    foto: m. tretter / kub

    Pascale Marthine Tayou zeigt im Kunsthaus Bregenz Fruchtbarkeitssymbole verschiedener Kulturen.

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