Unternehmen suchen Alternativen zum Kredit

28. Jänner 2014, 18:42
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Finanzierung via Anleihen hat deutlich zugenommen - Hoffen auf Zugänge für Wiener Börse

Wien - Der Kredit bleibt für die Beziehung zwischen Bank und Unternehmen "das Ankerprodukt", sagt Dieter Hengl, Vorstand Corporate & Investmentbanking bei der Bank Austria. Die Zinsen werden aber nicht ewig so niedrig bleiben und die Kapitalvorschriften Basel III verteuern Kredite: Je nach Laufzeit könnten sich die im europäischen Vergleich günstigen Kredite um 25 bis 50 Basispunkte verteuern, sagt Hengl. Unternehmen weichen daher zunehmend auf den Kapitalmarkt aus.

Ablesen lässt sich dieser Trend an den Finanzierungsformen, auf die Unternehmen zurückgreifen. Im Jahr 2002 lag der Anteil von Anleihen noch bei zehn Prozent der Außenfinanzierung, 2012 bereits bei 23 Prozent - das entspricht laut Hengl auch dem Wert des vergangenen Jahres. 28 österreichische Unternehmen haben im Vorjahr Kapitalmarktprodukte in Anspruch genommen. Neben Anleihen waren das auch Schuldscheindarlehen. Die Tilgungserfordernisse belaufen sich heuer auf rund sechs Milliarden Euro. Derzeit gebe es rund 80 Emittenten mit 140 ausstehenden Anleihen (ohne Banken und Republik).

Kredite gehen zurück

Analog dazu haben die Kredite abgenommen. 2002 machten Kredite bei der Finanzierung noch 74 Prozent aus - 2012 ist der Anteil auf 56 Prozent gesunken. Auch im Vorjahr war das Firmenkreditgeschäft rückläufig. Es gab ein Minus von drei Prozent. Das derzeit ausstehende Kreditvolumen beträgt damit 14 Milliarden Euro. Zahlen zum Neugeschäft 2013 nannte die Bank noch nicht.

Im Summe würden sich heimische Unternehmen aber noch immer mehrheitlich über Bankkredite (56 Prozent) finanzieren. Danach kommen Anleihen und Aktien mit 23 und 21 Prozent. In den USA setzen die Unternehmen viel stärker auf Aktien, die 68 Prozent der Finanzierung ausmachen. Kredite spielen mit fünf Prozent nur eine kleine Rolle.

Hengl geht davon aus, dass die Finanzierungen über den Kapitalmarkt in Österreich weiter zulegen werden. "Wir stehen an der Spitze einer Entwicklung, wonach Kapitalmarktprodukte Kredite zwar substituieren, aber nicht zur Gänze ersetzen werden." Es gebe auch wieder einige Unternehmen, die an einen Börsengang denken. "Ich hoffe, dass sich in diesem Bereich etwas tut", so der Bank-Austria-Vorstand.

Eine Kreditklemme gibt es laut Hengl nicht, vielmehr eine Nachfrageklemme, weil Firmen zuletzt einfach weniger Kredite nachgefragt hätten. "Die Unternehmen sind auf Sicht gefahren."

Da sich international im Bereich Übernahmen und Akquisitionen der Markt wieder belebe, hofft Hengl auch auf verstärkte Aktivität in diesem Bereich in Österreich. "Sechs bis neun Monate nachdem die internationalen Investoren wieder zukaufen, trauen sich kleinere und mittlere Unternehmen auch", fasst Hengl zusammen. Eine Belebung des Marktes sei daher zu erwarten. Firmenchefs zeigten zudem wieder Interesse an Unternehmen in Osteuropa und Asien.

Ob Basel III für die Banken nun gut oder schlecht sei, wollte Hengl so nicht beantworten. "Basel III ist, wie es ist. Es ist der Wille der Politik, das Finanzsystem sicherer zu machen, das erfordert eben mehr Kapital." (bpf, DER STANDARD, 29.1.2014)

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