Auch wenig Belohnung stärkt die Kooperation

2. Februar 2014, 12:05
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Erstmals mathematisch bewiesen, dass Anreizsysteme funktionieren

Wie kann man viele Menschen dazu bringen, etwa die Umwelt zu schützen, und dabei die Zahl der sogenannten Trittbrettfahrer klein halten? In der Spieltheorie kennt man für solche "Öffentliche-Güter-Probleme" Bestrafung oder Anreiz als Möglichkeit, wobei Bestrafung meist als bevorzugte Lösung gilt. Tatsuya Sasaki von der Uni Wien konnte nun im Fachjournal "Biology Letters" der britischen Royal Society nun auch mathematisch beweisen, dass sich Kooperation durchsetzt, selbst wenn nur ganz wenige Individuen anfangen, gemeinnütziges Verhalten zu belohnen.

Es sei wenig darüber bekannt, wie eine größere Zahl von einander nicht näher bekannten Individuen am Besten zur Kooperation zusammenfindet, schreibt Sasaki. Bei öffentlichen Gütern geht es darum, dass vom Beitrag jedes Einzelnen alle profitieren - beim Umweltschutz etwa durch eine intakte Umwelt, bei öffentlichen Verkehrsmitteln in Form moderner, funktionierender Straßenbahnen und Bussen. Auf der anderen Seite könnten es sich Trittbrettfahrer bequem machen und sich auf die Umweltschutzmaßnahmen der anderen verlassen bzw. schwarzfahren, aber dennoch von einer intakten Umwelt bzw. guten öffentlichen Verkehrsmittel profitieren.

Bestrafung ist ein weitverbreitetes Mittel, um Kooperation zu fördern. Das Problem dabei sind die meist hohen Kosten für die Allgemeinheit, die mit Bestrafung verbunden sind, etwa der Aufbau von Kontrollorganen. "Beim Bestrafen muss in der Spieltheorie eine kritische Schwelle überschritten werden, bevor diese Strafe glaubwürdig und abschreckend wird", erklärte der Mathematiker Karl Sigmund, bei dem Sasaki als Postdoc arbeitet, der aber nicht an der konkreten Arbeit mitgewirkt hat.

Mathematischer Beweis, dass Anreizsysteme funktionieren

Sasaki ist deshalb einen anderen Weg gegangen und hat spieltheoretisch untersucht, was passiert, wenn jene belohnt werden, die kooperieren. Er zeigte, dass bei der Belohnung - im Gegensatz zur Bestrafung - diese kritische Schwelle nicht überschritten werden muss. Selbst wenn nur ganz wenige Individuen anfangen, gemeinnütziges Verhalten zu belohnen, entwickle sich Kooperation.

Als Beispiel für ein solches Belohnungssystem nennt Sigmund Bonussysteme bei Versicherungen. Jene, die vorsichtig fahren und dadurch wenige Unfälle verursachen, werden dabei durch niedrigere Versicherungsraten belohnt. Man habe schon bisher gewusst, dass Anreizsysteme funktionieren. Sasaki habe aber eines der ersten theoretischen Modelle vorgelegt, die das auch mathematisch zeigen, sagte Sigmund. (APA/red, derStandard.at, 2.2.2014)

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