"Wird ein bisschen fad sein ohne mich"

Video29. Jänner 2014, 18:37
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Der Magnat hat ausgespielt - Nach 17 Monaten zieht sich Frank Stronach von der Politikbühne zurück und will nur mehr Berater seiner eigenen Partei sein

Als Frank Stronach beschloss, in die Politik zu gehen, hatte er schon ein bewegtes Leben hinter sich. Er hatte Magna gegründet und war durch den Automobilzulieferkonzern zu Reichtum gekommen. Seitdem suchte er Betätigungsfelder, den Pferdesport, die kanadische Politik und den österreichischen Fußball.

"Dieser Tag wird in die Geschichte der Welt eingehen"

Frank Stronachs Welt gab es nur in Superlativen, und mit dieser Einstellung betrat er am 29. September 2012 die Bühne der Orangerie im Schloss Schönbrunn. "Dieser Tag wird in die Geschichte der Welt eingehen", sagte der Magnat den anwesenden, zum Teil fassungslosen Journalisten und seinen wenigen Mitstreitern in seiner einstündigen Rede. Unter der Weltveränderung war der Einstieg in die Politik für Stronach nicht drinnen. Ein paar Beschimpfungen und allgemeine Eurokritik inklusive. "Knapp am absurden Theater vorbei", empfand damals der ATV-Journalist Martin Thür.

So fing alles an. Die Parteipräsentation in der Orangerie am 27.September 2012.

30 Millionen Euro oder 17 Monate später ist Stronachs Truppe zwar im Parlament, er selbst zieht sich aber von der politischen Bühne zurück.

Zum Abschied gab der Gründer des Teams Stronach eine Pressekonferenz im Parlamentsklub am Dienstag und hielt eine letzte Rede im Parlament am Mittwoch. Stronachs Reden waren stets voller Tellerwäscher-Anekdoten, Exkurse in die Magna-Unternehmenswelt und Angriffe auf den "Funktionärsstaat", die Stronach in den vergangenen Monaten hielt. Mal im Festzelt oder im Prater, vor Journalisten oder Pensionisten. Dabei war es immer populistische Unterhaltung mit einem Hang zur Provokation und dem Skandal. "Wird ein bisschen fad sein, wenn ich nicht mehr da bin", sagt Stronach zum Abschluss. Doch die Reden des Parteigründers haben sich in vergangenen Monaten entmagnatisiert.

Ins Parlament hat es seine wild zusammengewürfelte Gruppe aus teils Neueinsteigern, teils Berufspolitikern immerhin geschafft. Doch der Preis war hoch. Und Stronach setzte alles auf eine Karte und sein Gesicht. Und redete. Und redete.

Diese Reden zogen zunächst die Menschen – und zugegeben auch die Medien – an. Es war eine Mischung aus biografischer Erzählung, politischem Populismus und Beleidigungen, in deren Mittelpunkt Stronach stand. Es gab Freigetränke und Frankfurter, Schlagermusik und Österreich-Fahnen. Die Wahlkämpfe auf Landes- und Bundesebene waren auf ihn zugeschnitten, um ihn herum sammelten sich auch jene, die so hofften zu einem politischen Amt zu kommen.

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Best of Nabelschau: Frank Stronach verabschiedet sich in einer einstündigen Rede am 28. Jänner 2014 von den Pressevertretern.

Todesstrafe für Berufskiller

Doch irgendwann verhaspelte sich der Milliardär und redete von Berufskillern, für die es die Todesstrafe geben sollte. Und auch bei so mancher Personalauswahl bewies das Team Stronach keine glückliche Hand. Monika Lindner kam schon vor der Nationalratswahl abhanden.

Rasch wurden landauf, landab politische Mitstreiter aufgelesen, die Partei selbst wollte Stronach jedoch autokratisch führen. Der Bundespartei gehörten nur sechs Mitglieder an, die Kontrolle lag in seinem Umfeld. Das führte zu Unmut in den erfolgreicheren Landesparteien, zu Zerwürfnissen über Geld, aber auch politische Posten. Und zu einem gemessen am finanziellen Aufwand bescheidenen Wahlergebnis von 5,7 Prozent. Das alles löste Ernüchterung aus - bei Partei wie Parteichef. Und Klubobfrau Kathrin Nachbaur gab zu: "Wir haben keinen Fehler ausgelassen."

Enkel und Einkaufszentren

Vielleicht waren es am Ende die Inhalte oder deren Mangel, was Stronachs Partei in die Krise stürzte. Das Parteiprogramm bleibt über weite Strecken vage, Stronach selbst legte dieses oft beliebig aus, und nicht der inhaltliche Veränderungswille trieb das Team an. Drei Werte – Wahrheit, Transparenz und Fairness – sollten genügen.

In einem breiten Themenbogen kritisierte Stronach mal den Euro, wollte dann die Steuern senken, die Unternehmen gleichsam wie die Arbeitnehmer entlasten und kritisierte pauschal und generell die amtierenden politische Klasse, die "Funktionäre". Der Berufspolitiker wurde bei Stronach zum Feindbild. Und trotz aller politischen Ambitionen jenseits der 30 Prozentpunkte – Berufspolitiker wollte der Austrokanadier nie werden. Und er wird es wohl auch nicht mehr werden.

Stronachs letzte Rede im Parlament sollte nicht länger als fünf Minuten dauern und mit Wirtschaft zu tun haben. Am 29. Jänner 2014 schied Stronach aus dem Parlament aus.

Am Mittwoch hielt Stronach seine letzte, dritte Rede im Parlament. Künftig will er leisetreten und nicht mehr so stark das mediale Rampenlicht suchen. Seine Partei muss nun ohne ihren Gründer auskommen. Er bleibt zwar Parteichef, will aber bedeutend weniger in Österreich sein. Stronach hat auch schon neue Pläne. Er möchte Einkaufszentren bauen und mehr Zeit mit den Enkelkindern verbringen. 

Bei seiner letzten Rede im Parlament hoffte er, dass, "wenn wir uns wieder begegnen, wir uns die Hände schütteln können und bei einem Glas österreichischen Wein besprechen können, was wir für Österreich besser machen können". Er ziehe sich nun mit Respekt zurück. Und sagte: "Danke, dass ich hier sein durfte." (Sebastian Pumberger, Maria von Usslar, derStandard.at, 29.1.2014)

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