U5 bewegt die Stadtregierung

28. Jänner 2014, 21:22
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Die Wiener SPÖ forciert die neue U-Bahn, die Grünen sind weiter skeptisch

Wien - Wird aus der stadtplanerischen Geisterbahn U5 eine reelle Wiener Öffi-Variante? Wie DER STANDARD berichtete, denkt die rot-grüne Stadtregierung schon seit längerem intensiv darüber nach. Am Mittwoch treffen sich die Stadträte zur Klausur, bei der es um den Stadtentwicklungsplan gehen soll. Am Dienstag verdichteten sich Gerüchte, dass dabei auch die Pläne für die U5 konkretisiert werden könnten.

Im Ressort von Finanzstadträtin Renate Brauner (SP) wurde das freilich dementiert: Es habe noch keine Gespräche mit dem Bund gegeben - der die Hälfte des teuren Projekts mitfinanzieren müsste. Derzeit ist lediglich der Ausbau der U1 vom Reumannplatz bis Oberlaa paktiert, der mit 600 Millionen Euro zu Buche schlägt. Allein für die Rumpfvariante der U5 müssten Bund und Stadt etwa eine Milliarde Euro lockermachen.

Geografische Eckpunkte

Die geografischen Eckpunkte zur möglichen neuen U-Bahn-Linie: Vorgesehen ist fürs Erste ein Streckenverlauf von der U6-Station Alser Straße zum Rathausplatz und von dort bis zum Karlsplatz. Beim Rathaus würde die U5 die Linienführung der U2 übernehmen. Die U2 wiederum könnte dann beim Rathaus "abbiegen" und über die Stationen Neubaugasse, Pilgramgasse und Bacherplatz zum Matzleinsdorfer Platz fahren. Die U5 könnte in einer weiteren Ausbaustufe in den Nordwesten nach Hernals und in den Süden via Rennweg, St. Marx und Arsenal zur Gudrunstraße führen.

Notwendig wird ein derart massiver Öffi-Ausbau, weil Wien unaufhörlich wächst. In den nächsten 15 Jahren werden 300.000 neue Bewohner in der Stadt erwartet, das sind mehr Menschen als etwa derzeit in Graz leben. Vor allem die U6 ist schon jetzt an den Grenzen ihrer Kapazität.

Rot-grünes Kräftemessen

Nicht nur geografisch und finanziell, auch politisch gilt es noch einiges zu klären, bevor wirklich Bewegung in Wiens Untergrund kommt. Denn die Grünen sind keine besonderen Fans des U-Bahn-Baus. Ihr Argument: Es würde zu lange dauern, bis die Stadtbewohner eine echte Verbesserung spüren, die Rumpfvariante innerhalb des Gürtels würde für die Peripherie kaum etwas bringen.

Eine fix-fertige Machbarkeitsstudie gäbe es bereits für eine 4,3 Kilometer lange Straßenbahnverbindung von der Philadelphiabrücke (U6) via Wienerberg zum Alten Landgut (wo eine neue Station der U1 entstehen soll). Kostenpunkt: 100 Millionen Euro.

Es wird letztlich also nicht nur auf das Geschick in Verhandlungen mit dem Bund ankommen, sondern auch auf ein Kräftemessen zwischen Finanzstadträtin Brauner und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) hinauslaufen. Wenn die U5 schon komme, dann müsse sie unbedingt mit dem Ausbau anderer Verkehrsmittel kombiniert werden, befindet man beim kleineren Koalitionspartner. Allein, das erscheint budgetär praktisch ausgeschlossen. (Andrea Heigl, David Krutzler, DER STANDARD, 29. 1. 2014)

  •  Allzu oft dürften Stadträtin Renate Brauner und Michael Häupl (SP) nicht in der U-Bahn anzutreffen sein. Nach der U2 - wie hier im Bild - könnten sie bald auch die U5 testen.
    foto: standard/newald

     Allzu oft dürften Stadträtin Renate Brauner und Michael Häupl (SP) nicht in der U-Bahn anzutreffen sein. Nach der U2 - wie hier im Bild - könnten sie bald auch die U5 testen.

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