Was mehr Frauen in die Technik locken könnte

5. April 2013, 17:00
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Im technischen Bereich werden künftig noch mehr Fachleute gebraucht. Das, obwohl es jetzt schon zu wenige gibt. Eine "große Chance für Frauen" lautet die Devise

Acht von zehn Industriebetrieben finden derzeit nicht das technische Personal, das sie brauchen. Vor allem Frauen sind für technische Positionen kaum zu gewinnen – weil es sie solcherart ausgebildet oder an einer Lehre interessiert nicht gibt. Laut Umfrage der Industriellenvereinigung (IV) bleibt im Schnitt jeder sechste neu ausgeschriebene Job aus dem MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gänzlich unbesetzt.

Standortproblem

Dieser Mangel ist auch ein Standortproblem – und das wird sich weiter verschärfen: Bis zu 30.000 neue Arbeitsplätze sollen in den Berufsgruppen Informatik, Physik, Chemie, Ingenieurwesen und Biowissenschaften sowie verwandte Disziplinen bis 2016 in Österreich entstehen, prognostiziert das AMS. Auf europäischer Ebene sollen es bis 2020 rund fünf Millionen zusätzliche Jobs im technischen Bereich sein, so die Skills Forecasts des europäischen Zentrums für Entwicklung (Cedefop).

Die Chancen für Absolventinnen und Absolventen dieser MINT-Studienrichtungen sind gut. Zwei Drittel haben innerhalb von drei Monaten einen qualifizierten Arbeitsplatz. Gleichzeitig kann sich die Bezahlung für Frauen in diesem Bereich mit jener in geisteswissenschaftlichen Bereichen nicht vergleichen: Technische Jobs sind sehr gut bezahlt. Das hilft der Attraktivität offenbar aber kaum. Zwar sind zunehmend mehr Frauen an den Hochschulen und schließen auch ab, allerdings nur wenige in den MINT-Fächern.

20 Prozent Frauenanteil an FHs

An Fachhochschulen lag im vergangenen Wintersemester der Frauenanteil bei MINT-Fächern bei rund 20 Prozent, an den Universitäten war ein Drittel der Studierenden der naturwissenschaftlichen und technischen Studienrichtungen weiblich. Studienfächer wie Architektur und Ernährungswissenschaften erklären dabei den auf den ersten Blick höheren Frauenanteil an Universitäten. Je unmittelbarer eine berufliche Umsetzung des Hochschulstudiums erscheint, desto höher ist derzeit der Frauenanteil. Beispiel: über 50 Prozent der Bioengineering-Studierenden an Fachhochschulen sind Frauen, bei Elektronik/Electronic Engineering ist der Frauenanteil nur knapp über vier Prozent.

Die Diskussionen, wie der Frauenanteil in den technischen Studien und Lehrberufen gesteigert werden könnte, laufen schon so lange wie die Gründe für das Ungleichgewicht vielfältig sind.

Familiäres Umfeld

Das familiäre Umfeld hat bei der Studienwahl den größten Einfluss. Eine Erhebung des Fachverbands Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) zeigt, dass bereits die Tatsache, dass ein Familienmitglied – in den meisten Fällen der Vater – einen technischen Beruf ausübt das Technikinteresse der Kinder fördert. In vergleichsweise wenigen Fällen waren Lehrpersonen bei der Entwicklung von technischen Interessen entscheidend. Damit sich mehr Frauen für Technik begeistern, brauche es mehr weibliche Vorbilder.

Befragt wurden aber auch Schülerinnen und Schüler nach ihrem Technikinteresse und ihren Plänen nach der Matura. Und obwohl 91 Prozent der Befragten ein anschließendes Hochschulstudium für wahrscheinlich erachteten, interessierten sich nur 20 Prozent für ein technisches Studium.

Manko Berufsinformation

Verbesserungspotenzial, so die Erhebung, gibt es vor allem bei der Berufsinformation. Schüler wissen vielfach nicht, welche technischen Berufe und welche technischen Studienfächer existieren. Informationsbedarf bestehe aber nicht nur bei hochqualifizierten Berufen sondern auch bei Lehrberufen. Denn auch Fachkräfte sind Mangelware. Mehr als die Hälfte der weiblichen Lehrlinge will aber Einzelhändlerin, Bürokauffrau, Friseurin oder Restaurantfachfrau werden. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 6./7.4.2013)

  • Damit sich mehr Frauen für Technik begeistern, braucht es mehr weibliche Vorbilder.
    foto: apa/dpa/thissen

    Damit sich mehr Frauen für Technik begeistern, braucht es mehr weibliche Vorbilder.

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