"Das Bild der Technik gehört zurechtgerückt"

Interview8. April 2013, 17:00
1 Posting

Mit dem FiT (Frauen in Handwerk und Technik)-Programm möchte das AMS Frauen helfen, in technische Berufen zu kommen

derStandard.at: Seit 2006 bietet das AMS das Förderprogramm FiT – Frauen in Handwerk und Technik an. Was sind die wichtigsten Punkte bei diesem Projekt?

Egger: FiT ist ein innovatives arbeitsmarktpolitisches Förderprogramm, das verschiedene Modelle und Ausbildungswege ermöglicht. Besonders wichtig ist – das hat die Erfahrung gezeigt – dass Frauen durch gezielte Vorbereitung an neue Ausbildungsmöglichkeiten herangeführt werden müssen. Wenn das nicht passiert, ist die Dropout-Quote hoch. Daher beinhaltet das Fit-Programm neben allgemeinen Berufsinformationen zu den technischen und handwerklichen Berufen auch eine Berufsorientierung, bei der es auch die Möglichkeit eines Praktikums gibt. Es ist gut, wenn Frauen mit den neuen Materialien, mit denen sie in Zukunft arbeiten möchten, vorab schon in Berührung kommen. Bevor die jeweilige Ausbildung dann beginnt, werden technische Vorqualifizierungen angeboten.

derStandard.at: Im Rahmen des Fit-Programms können Frauen Bildungsabschlüsse – von der Lehre bis zum Fachhochschulstudium – nachholen. Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl? Wird jeder Frau, die arbeitssuchend ist, diese Möglichkeit eröffnet?

Egger: Für dieses Programm gibt es kein Kontingent. Jede arbeitssuchende Frau könnte sich im Rahmen des Fit-Programms aus- oder weiterbilden. Im letzten Jahr gab es rund 5.400 Frauen, die die Informationsveranstaltung besucht haben. Rund 1.200 Frauen haben sich dann auch für eine Ausbildung entschieden. Rund die Hälfte davon holt einen Lehrabschluss nach, 20 Prozent machen eine schulische Ausbildung oder besuchen eine Fachhochschule. 

derStandard.at: Kritiker halten entgegen, dass das Programm viel kostet und wenig bringt. Wie schaut es mit der Vermittlungsquote nach der Ausbildung aus?

Egger: Die Programmkosten von 22,7 Millionen im letzten Jahr sind vergleichbar mit anderen Facharbeiterausbildungskosten und das Programm bringt viel für die Gleichstellung am Arbeitsmarkt wie der Bekämpfung der Segregation und des Gender Pay Gaps und für den Fachkräftebedarf der Wirtschaft. Immerhin finden bereits mehr als die Hälfte der Programmteilnehmerinnen innerhalb von drei Monaten einen neuen Arbeitsplatz. Es hat sich auch gezeigt, dass die Frauen sehr ehrgeizig sind. Wenn sie sich für einen technischen Beruf entschieden haben, wollen sie dann auch bei der Ausbildung zu den Besten gehören.

derStandard.at: Diese Programm alleine wird aber nicht reichen, damit sich mehr Frauen für technische Berufe entscheiden. Was braucht es noch?

Egger: Für das Interesse an Handwerk und Technik braucht es mehrere Ansätze. Und hier spielen auch die Väter eine Rolle. Wichtig ist auch, dass das Bild der Technik zurechtgerückt wird. Technik ist selbstverständlich. Jeder von uns benutzt technische Geräte, aber nur wenige denken daran, dass sie auch berufliche Perspektiven eröffnet. Um sich für Technik zu interessieren, sollten Mädchen schon früh und auch langfristig angesprochen werden. Wie es beispielsweise am Töchtertag passiert, oder auch im Schulunterricht. Denn die Berufswahl findet, nicht nur bei Mädchen, zu einem ungünstigen Zeitpunkt statt. (Gudrun Ostermann, derStandard.at, 8.4.2013)

Eva Egger ist Mitarbeiterin der Abteilung Arbeitsmarktpolitik für Frauen des Arbeitsmarktservice Österreich.


Links:

Mehr zu IT und Digitalisierung

IT/Telekommunikation Jobs auf derStandard.at

FiT

  • Eva Egger vom AMS.
    foto: ams

    Eva Egger vom AMS.

  • Auch ein technischer Beruf kann Spaß machen, wissen Frauen, die im Rahmen des Fit-Programms eine berufliche Neuorientierung wagen.
    foto: abz austria

    Auch ein technischer Beruf kann Spaß machen, wissen Frauen, die im Rahmen des Fit-Programms eine berufliche Neuorientierung wagen.

Share if you care.