Schmetterlinge belegen: Klimawandel zwingt Arten zum Auswandern

30. Jänner 2014, 13:21
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Bestehende Schutzgebiete beherbergen langfristig nicht mehr jene Arten, für deren Schutz sie einst bestimmt waren

Der Klimawandel zwingt viele Tier- und Pflanzenarten zur Wanderung. Als Folge der Erwärmung verlassen sie ihre bisherigen Verbreitungsgebiete und begeben sich langsam nach Norden oder in höhere Gebirgslagen. Dies bedeutet auch, dass bestehende Schutzgebiete langfristig nicht mehr jene Arten beherbergen werden, für deren Schutz sie einst bestimmt waren. Zu diesem Ergebnis gelangte ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Wien anhand der Untersuchung von Schmetterlingen im griechischen Dadia National Park.

Ausgangspunkt für die Untersuchung waren die 1998 von Andrea Grill im Rahmen ihrer Diplomarbeit erhobenen Daten von Schmetterlingen im griechischen Dadia National Park, der in den Rhodopen im Nordosten des Landes liegt. Heute forscht die Biodiversitätsforscherin am Department für Tropenökologie und Biodiversität der Tiere der Universität Wien. "Wir konnten, indem wir die damaligen Ergebnisse mit aktuellen verglichen, beweisen, dass Schmetterlinge relativ rasch auf Klimaveränderungen reagieren", so Grill.

Temperaturanstieg um  0,95 Grad Celsius in 13 Jahren

In ihrer aktuellen Publikation im Fachmagazin "PLOS ONE" beschreiben die Wissenschafter, wie sich die Schmetterlingsgemeinschaften im Dadia National Park von 1998 bis 2012 verändert haben. Die griechische Biologin Konstantina Zografou von Universität Ioannina führte in den Jahren 2011 und 2012 Folgestudien durch, und zwar an exakt denselben geographischen Punkten, wo Grill 1998 ihre Daten erhoben hatte.

"In diesem Zeitraum – also in den letzten 13 Jahren – stieg die Jahresdurchschnittstemperatur im Untersuchungsgebiet um 0,95 Grad Celsius. In der Folge verschoben sich die Artengemeinschaften in den griechischen Rhodopen eindeutig zugunsten wärmeliebender Arten aus dem Flachland. Arten, die hauptsächlich in höheren Lagen verbreitet sind und kühlere Habitate bevorzugen, sind seltener geworden, wärmeliebende Arten wurden hingegen häufiger", erklärt Andrea Grill. Einige Augenfalter, wie der Große Waldportier (Hipparchia fagi) und das Schattensandauge (Kirinia roxelana), verdoppelten ihre Individuenzahlen, aber auch das Ochsenauge (Maniola jurtina) konnte im letzten Jahrzehnt wesentlich häufiger gezählt werden.

Sensible Schmetterlinge

Die Körpertemperatur von Schmetterlingen ist von der Umgebungstemperatur abhängig
Schmetterlinge reagieren rascher auf Klimaveränderungen als Wirbeltiere, wie zum Beispiel Vögel. Sie haben vergleichsweise kurze Generationszeiten und reagieren ausgesprochen sensibel auf die Temperatur ihres Lebensraums. Nicht nur, weil sie oft hochspezialisiert auf bestimmte Raupenfutterpflanzen sind, deren Vorkommen ihrerseits wiederum vom Klima abhängt, sondern auch weil die Körpertemperatur von Schmetterlingen von der Umgebungstemperatur abhängig ist. Säugetiere hingegen regulieren durch ihren Blutkreislauf die Körpertemperatur und sind von der Außentemperatur unabhängig.

Wenn sich für andere Tiergruppen und in anderen Schutzgebieten ähnliche Trends zeigen, müsste der Artenschutz in Nationalparks neu überdacht werden. Schutzgebiete mit feststehenden Grenzen verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung, wenn die Arten, für die sie errichtet werden, sie verlassen. Nationalparks könnten aber auch neue Bedeutungen gewinnen, zum Beispiel wenn neue Arten einwandern. Die Erkenntnis, dass natürliche Ökosysteme ständig im Wandel begriffen sind, ist essentiell im modernen Naturschutz. (red, derStandard.at, 30.1.2014)

  • Das Ochsenauge (Maniola jurtina) liebt die Wärme. Dank des Klimawandels konnte die Art ihre Population im griechischen Dadia National Park in den letzten 13 Jahren verdoppeln.
    foto: l.e.l. raijmann

    Das Ochsenauge (Maniola jurtina) liebt die Wärme. Dank des Klimawandels konnte die Art ihre Population im griechischen Dadia National Park in den letzten 13 Jahren verdoppeln.

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