Den Haag: Karadzic und Mladic erstmals gemeinsam im Gerichtssaal

28. Jänner 2014, 10:50
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Bosnisch-serbischer Ex-Präsident ließ seinen Militärchef als Entlastungszeugen in Kriegsverbrecherprozess vorladen

Den Haag/Sarajevo/Belgrad - Der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, hat am Dienstag am UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zunächst den zahnlosen Zeugen gegeben, dem aus dem Gefängnis die Gebissprothese nachgebracht werden musste, und danach den stummen Zeugen, der nicht aussagen wollte. Sein früherer Vertrauter, Ex-Präsident Radovan Karadzic hatte ihn in seinem Prozess zur Entlastung vorgeladen.

Es war das erste Mal, dass Mladic (71) und Karadzic (68) nach Ende des Bosnien-Krieges 1995 im Gerichtssaal aufeinandertrafen. Die beiden haben sich in getrennten Prozessen am UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) u.a. wegen Völkermordes an rund 8.000 bosnischen Muslimen in Srebrenica sowie wegen des dreijährigen Beschusses von Sarajevo zu verantworten.

Karadzic war im Juli 2008 in Belgrad festgenommen worden, wo er als unter falscher Identität als Heilpraktiker tätig war. Mladic wurde im Mai 2011 in einem Dorf in der serbischen Region Vojvodina dingfest gemacht. Er hatte sich dort bei einem Verwandten versteckt.

Schweigender Mladic

Mladic, der gegen seinen Willen aussagen sollte, willigte nach anfänglichem Weigern zwar ein, vereidigt zu werden. Er wollte danach aber keine Frage des angeklagten Karadzic beantworten.

"Ich kann und will wegen meines gesundheitlichen Zustandes nicht aussagen", wiederholte Mladic auf jede Frage Karadzics. Er halte sich an sein Recht, aus gesundheitlichen Gründen und aufgrund seiner Rechte, als Angeklagter nicht die eigene Sache zu gefährden, nicht auszusagen, verlas Mladic immer einen Text, den offenbar seine Verteidiger vorbereitet hatten.

Der Antrag seines Anwalts Branko Lukic, Mladic aus gesundheitlichen und sonstigen Gründen von der Aussage zu befreien, war abgelehnt worden. Seinen Mandanten zur Aussage zu verpflichten wäre ein Verstoß gegen Menschenrechte, meinte Lukic. Mladic sei derzeit nicht einmal in der Lage, in seinem eigenen ICTY-Prozess auszusagen. Der Anwalt beantragte eine erneute ärztliche Untersuchung Mladics.

Karadzic wollte Mladic zum Massaker von Srebrenica, zum Beschuss Sarajevos und den Vertreibungen von Bosniaken und Kroaten von im Bosnien-Krieg (1992-95) serbisch kontrollierten Gebieten befragen und erhoffte sich offensichtlich entlastende Angaben. Konkret soll es um die Frage gehen, ob Karadzic als Präsident der bosnischen Serben von Mladic je über Massakerpläne informiert wurde.

"Entschuldige Radovan, das war nicht gegen dich gerichtet", meinte Mladic beim Verlassen des Gerichtssaals nach der kurzen Verhandlung. Das Gericht hatte es abgelehnt, dass Mladic einen weiteren, von ihm vorbereiteten siebenseitigen Text verliest. Mladic hatte darauf beharrt.

Mladic: "Teufelsgericht"

Sowohl zu Beginn als auch zum Abschluss seines Auftritts als Zeuge vor Gericht bezeichnete Mladic das UNO-Tribunal als "Teufelsgericht", das er nicht anerkenne. An den Senatsvorsitzenden, Richter O-Gon Kwon wandte er sich in einem Augenblick mit der Anrede "Genosse Kwon".

Kurz nach Verhandlungsbeginn musste sogleich eine Prozesspause eingelegt werden: Aus der Gefängniszelle von Mladic musste zunächst dessen Zahnprothese geholt werden. "Ich bitte die Sicherheitsbeamten, meine Zähne zu holen, damit ich besser reden kann", sagte der 71-Jährige. (APA, 28.1.2014)

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