Sorge um fehlende Gäste ist Schnee von gestern

28. Jänner 2014, 17:35
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Frau Holle ist die neue Schutzpatronin des Tourismus. Mit den Schneefällen hat sich die Angst vor leeren Betten in den Semesterferien gelegt

Wien - Die jüngsten Schneefälle haben in Österreichs Tourismushochburgen eine Lawine der Erleichterung ausgelöst. Statt Jammerchören wegen vieler brauner Hänge und Skilifte im Stillstand gibt es kurz vor Beginn der Semesterferien Jubelstimmung. Das erst im Vorjahr erzielte Rekordergebnis könnte im laufenden Jahr noch getoppt werden.

"Ich erwarte heuer einen Nächtigungszuwachs von etwa zwei Prozent, etwas mehr Ankünfte als im Vorjahr und ein Umsatzplus von nominell drei bis vier Prozent. Abzüglich der Inflation entspricht das einem Mehrumsatz von ein bis zwei Prozent," sagte der Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Egon Smeral, dem Standard.

Dass Österreichs Tourismuswirtschaft nicht nur durch die jüngsten Schneefälle, sondern vor allem wegen der sich bessernden Konjunktur in wichtigen Herkunftsmärkten Rückenwind verspürt, davon sind von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner abwärts so gut wie alle Touristiker überzeugt. "Deutschland ist unser wichtigster Herkunftsmarkt. Nach Jahren rückläufiger Zahlen bei deutschen Gästen haben wir im Vorjahr eine Trendwende gesehen", sagte der Obmann des Fachverbands Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich, Johann Schenner, am Dienstag am Rande der Fachmesse atb in Wien. 2013 sind nach Zahlen der Statistik Austria 50,8 Mio. Nächtigungen deutscher Gäste in Österreich registriert worden, um knapp 1,2 Millionen mehr als 2012.

Mehr Marketing

Dieser Zuwachs sei nicht zuletzt auf verstärkte Marketingaktivitäten der Österreich Werbung (ÖW) zurückzuführen, wie Schenner betonte. ÖW-Chefin Petra Stolba wies darauf hin, dass Österreich in Deutschland mit 190 bis 200 Destinationen weltweit im Wettbewerb steht: "Alle reißen sich um Deutschland, den Reiseweltmeister."

Dass deutsche Gäste im Wirtschaftsaufschwung Österreich untreu werden könnten, wie dies der Chef des Instituts für Höhere Studien, Christian Keuschnigg, beim Hotelierkongress vor zwei Wochen prognostiziert hatte, können weder Stolba noch Mitterlehner nachvollziehen. Zwar würden Fernreisen tendenziell zunehmen, wenn sich die Konjunktur bessere. "Dennoch wird zwei- bis dreimal Kurzurlaub gemacht, da bietet sich Österreich geradezu an", sagte der Wirtschaftsminister. Umfragen zeigten außerdem, dass die typische Sommerfrische gerade in Deutschland und insbesondere in Städten wie Berlin an Attraktivität gewinne. Auch das spiele Österreich in die Hände.

Mehr Geld für die ÖW wird es laut Mitterlehner frühestens 2016 geben: "2014 und 2015 sind budgettechnisch schwierige Jahre. Dann aber hoffen wir, zumindest einen Inflationsausgleich zu schaffen." Das Budget der Österreich Werbung, die zu 75 Prozent dem Bund gehört und zu 25 Prozent der Wirtschaftskammer, ist seit 2003 unverändert. Von den insgesamt 50 Millionen Euro stehen rund 43,5 Millionen für Marketingaktivitäten in 30 ausgewählten Märkten zur Verfügung. Ob die Wirtschaftskammer bei einer allfälligen Erhöhung der ÖW-Mittel mitzieht, ist noch unklar. "Das muss man sich dann anschauen, wenn es so weit ist", sagte Tourismusobmann Schenner.

Rekord in Zahlen

Im Vorjahr ist die Zahl der Nächtigungen in Österreich um 1,2 Prozent auf den Rekordwert von 132,59 Millionen geklettert (siehe Grafik). Mit insgesamt 36,83 Mio. Ankünften wurde der bisherige Höchstwert von 2012 (36,15 Millionen) um 1,8 Prozent übertroffen. Ohne Hochwasser im Juni wären die Ergebnisse noch besser ausgefallen, ist man sich sicher.

Die Tourismusumsätze sind im Vorjahr laut Wifo-Forscher Smeral um nominell 2,2 Prozent auf 22,8 Milliarden Euro gestiegen. Bereinigt um die Inflationsrate bedeutet das Stagnation. Nur ein Viertel bis ein Drittel der Umsätze entfällt auf die Beherbergung, der Rest geht für Shopping, Kultur und anderes drauf. Tagesausgaben von Inländern sind in der Summe nicht inkludiert. (Günther Strobl, DER STANDARD, 29.1.2014)

  • Touristiker im Glück: Heuer könnten Rekorde purzeln.
    foto: epa

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