Wartelisten für Operationen: Zu viele Schlupflöcher

Kommentar27. Jänner 2014, 18:32
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Die Message lautet: Wer es sich leisten kann, kann es sich richten

Der gelernte Österreicher denkt sich bloß: ja eh. Der Privatarzt kann behilflich sein, wenn es darum geht, die Warteliste für eine Operation zu überspringen. Die Tester des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) bestätigen damit, was erst kürzlich das Institut für Höhere Studien konstatierte: Man könne bei "informellen Zahlungen" für Vorreihungen "nicht mehr von Zufallstreffern oder Einzelfällen sprechen".

Die Selbstverständlichkeit, mit der dies passiert, ist dennoch befremdlich. Fünf von zwölf Ärzten offerierten der Testpatientin des VKI unmissverständlich eine Vorzugsbehandlung für die Hüftoperation, manche sogar ein Rundum-sorglos-Paket inklusive der privaten Handynummer des Oberarztes. Die Message lautet: Wer es sich leisten kann, kann es sich richten. Der Patient kommt schneller unters Messer, der Arzt freut sich über seine florierende Privatordination. Beide stellen sich auf Kosten der Allgemeinheit, die eifrig ihre Krankenkassenbeiträge zahlt, besser; und das hängen sie tunlichst nicht an die große Glocke.

Zwar wurden die entsprechenden Gesetze (einmal im Bund, neunmal in den Ländern) 2011 bereits verschärft, offenbar aber nicht deutlich genug. Der mögliche Zusatz "akut" ist eine zu diffuse Variable. Es reicht wohl nicht, an das Ehrgefühl der Ärzte zu appellieren - Kontrollen müssen her. Solange es Schlupflöcher gibt, wird sich auch jemand finden, der die Patienten durchhievt. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 28.1.2014)

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