Pühringer baut seine Nachfolge auf

Blog27. Jänner 2014, 11:41
61 Postings

Landeshauptmann Josef Pühringer Entscheidung ob er im Herbst 2015 noch einmal als Spitzenkandidat der ÖVP in die Landtagswahlen geht, steht aus

Geht er, oder geht er nicht – in Oberösterreichs Landespolitik dreht sich derzeit alles um die eine Frage: Wird Landeshauptmann Josef Pühringer im Herbst 2015 nochmal als Spitzenkandidat der ÖVP in die Landtagswahlen gehen? Er selber hat in den Weihnachtsferien mit seinen engsten Vertrauten darüber debattiert, bis zum Frühsommer will er eine Entscheidung getroffen haben. Im Augenblick zweifelt kaum einer im Land, dass der  64-jährige noch ein viertes Mal antreten wird. Pühringer vermittelt keineswegs den Eindruck amtsmüde zu sein, sondern eher den eines "Hans Dampf in allen Gassen", wie sein langjähriger politischer Gegenspieler Landeshauptmannstellvertreter Josef Ackerl (SPÖ) – der  vorige Woche endgültig die politische Landesbühne verließ – meint.

Tatsächlich hat Pühringer in letzter Zeit seinen Aktionsradius deutlich erweitert. So mischt der Landeshauptmann in vorderster Front auf Bundesebene mit, wie etwa zuletzt bei den Koalitionsverhandlungen. Er leitete die Arbeitsgruppe Finanzen offenbar derart ministrabel, dass er sogar als Finanzminister im Gespräch war.

Als Landeshauptmann nicht ausgedient

Es ist zu bezweiflen, dass er ernsthaft in Erwägung zog, die unangefochtene Führung in (s)einem schwarzen Kernland abzugeben. Umfragewerte, wonach die ÖVP in Oberösterreich mit Pühringer zehn Prozent mehr an Stimmen erhält als ohne ihn, zeigen, dass er die unangefochtene Nummer Eins in Oberösterreich ist. Erst vor wenigen Tagen erhielt Pühringer erneut die Bestätigung, dass er als Landeshauptmann noch keineswegs ausgedient hat. Laut Vertauensindex des OGM-Meinungsforschungsinstituts genießt Pühringer im Vergleich zu seinen Parteikollegen mit 23 Prozent das höchste Vertrauen in der Bevölkerung. Eine mehr als gute_Ausgangslage für die Landtagswahlen 2015.

Ein weiteres Argument für ein nochmaliges Antreten wäre, dass eigentlich die möglichen Nachfolger noch im Aufbau sind.  Landesrätin Doris Hummer und Klubobmann Thomas Stelzer zählen zu Pühringers Wunschkandidaten, beide gehören zur Generation 40 plus. Eine geordnete Hofübergabe zur Halbzeit in der nächsten Legialtruperiode, damit könnte ein Großteil der Partei gut leben.



Harmonie

Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen auch die Grünen im Land, was sich bei den Schwarzen tut. Denn auch beim kleinen Koaltionspartner steht die Führungsfrage im Raum. Landesrat Rudi Anschober hatte nach seinem Burn-Out angekündigt, kürzer zu treten. Den Parteivorsitz hat er bereits an Maria Buchmayr übergeben, ob er nochmal als Spitzenkandidat in die Landtagswahlen geht, ließ er bis heute noch offen. Sollte Pühringer jedoch nach seiner bereits mehrmals verkündeten Maxime "Ich werde zu einem Zeitpunkt gehen, zu dem die Menschen sagen "Schade, dass er geht" und nicht "Es war schon höchste Zeit", handlen, liefert er Anschober eine Entscheidungshilfe: Denn Garant für die mittlerweile 10-jährige schwarz-grüne Zusammenarbeit in Oberösterreich ist das Duo Pühringer/Anschober.

Fast schon beängstigend wirkte die Harmonie zwischen den beiden, so dass die Grünen in der zweiten Legislaturperiode ihre Kanten dann doch wieder deutlich schärften. Aber dennoch: Die Chemie zwischen Pühringer und Anschober stimmt. Und die Annahme,  dass mit dem Abgang von einem der beiden, Schwarz-Grün beendet sein könnte, liegt nahe.  Ist doch auch der damalige Chefverhandler des schwarz-grünen Regierungsexperiments der ÖVP, Landesrat Josef Stockinger, inzwischen nicht mehr in der Landespolitik. Mit ihm und Pühringer würden Anschober die wichtigsten Proponenten für eine neuerliche Verlängerung der bestehenden Regierungskonstellation.

In letzter Konsequenz könnte dies bedeuten, dass die kommenden Landtagswahlen einmal wieder richtig spannend werden können: Die ÖVP mit einem möglichen neuen Spitzenkandidaten, die Grünen ebenso. Bei der SPÖ wird sich der im November 2013 zum Parteichef gekürte Landesrat Reinhold Entholzer erstmals der Wahl stellen. Und noch eine Premiere steht an: Die Neos wollen in Oberösterreich antreten. Nationalratsabgeordneter Rainer Hable lädt am 8. Februar zum ersten Oberösterreich-Konvent in den Linzer Wissensturm. (Kerstin Scheller, 27.1.2014)

Share if you care.