"Traditionalisten" versus die "Modernen"

27. Jänner 2014, 11:34
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Festgefahrene Geschlechterrollen und ideologische Sackgassen: Eine Studie beschreibt die Veränderung der Rollenbilder

Die Entwicklung in Richtung Gleichstellung von Frauen und Männern hat in den vergangenen zehn Jahren "massiv" an Schwung verloren. Ein neues Buch von Paul Zulehner und Petra Steinmair-Pösel beschäftigt sich daher mit der Frage, ob sich die "Gleichstellung in der Sackgasse" befindet. Keine - weiteren - Gräben aufreißen, sondern zur Diskussion anregen wollen sie mit dem Werk, heißt es darin.

Fragen gibt es laut den Autoren viele: Wie frei können Frauen und Männer wirklich entscheiden? Welche politischen Rahmenbedingungen braucht es oder ist die Emanzipation gar am Ende? Der Pastoraltheologe und Werteforscher Zulehner und die Sozialethikerin Steinmair-Pösel widmen sich etwa der Veränderung von Rollenbildern und der Frage, vor welchen Herausforderungen die "erschöpfte Familie" heute und in Zukunft steht. Die Erkenntnisse basieren auf 20 Jahren Forschung und sollen zum gesellschaftlichen Diskurs auffordern.

"Aggressivität der Auseinandersetzung"

Zur Entwicklung der Geschlechterrollen stellen die Autoren etwa fest, dass diese in den letzten zwanzig Jahren in Österreich nicht linear erfolgt sei. Die ersten zehn Jahre (1992 bis 2002) waren von einer "rasanten" Dynamik geprägt, die sich jedoch im zweiten Jahrzehnt von 2002 bis 2012 nicht fortgesetzt habe. Zwischen 1992 und 2002 stieg der Anteil der "Modernen" von 20 auf 32 Prozent. Im zweiten Jahrzehnt hingegen fiel der Anteil der "Modernen" von 32 auf 17 Prozent und damit unter den Wert von 1992. Dazugewonnen haben hingegen die "Traditionellen" und die "Pragmatischen". Die "Pragmatischen" halten die beiden Lebensfelder Familie und Beruf zusammen. Typisch für die "Traditionellen" ist, dass Männer und Frauen sich auf einem der beiden Lebensfelder positionieren, die Frauen in der Familie mit ihrer unbezahlten Versorgungsarbeit, die Männer in der beruflichen Welt mit bezahlter Erwerbsarbeit.

Zulehner und Steinmair-Pösel orten in der Diskussion der im Buch besprochenen Themen eine zunehmende "Aggressivität der Auseinandersetzung" sowie eine Abwertung derjenigen, die eine andere Position vertreten. "Verlassen wir unsere ideologischen Sackgassen", forderte Steinmair-Pösel und verwies auf mehrere "Baustellen" vom Bildungs- über das Sozial- bis hin zum Wirtschaftssystem. (APA/red, derStandard.at, 27.1.2014)

  • "Gleichstellung in der Sackgasse. Frauen, Männer und die erschöpfte Familie von heute" von Paul M. Zulehner und Petra Steinmair-Pösel. Styria Premium, 208 Seiten, 24,99 Euro.
    foto: styria verlag

    "Gleichstellung in der Sackgasse. Frauen, Männer und die erschöpfte Familie von heute" von Paul M. Zulehner und Petra Steinmair-Pösel. Styria Premium, 208 Seiten, 24,99 Euro.

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