Hypodeal bringt Exvorstände der BayernLB vor Gericht

27. Jänner 2014, 17:38
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Verdacht auf Untreue: Die sieben Angeklagten sollen beim Kauf der HGAA Risiken missachtet haben

Die verhängnisvolle Übernahme der Hypo Alpe Adria durch die BayernLB im Jahr 2007 hat nun auch in Deutschland ein strafrechtliches Nachspiel. Seit Montag müssen sich sieben Exvorstände der BayernLB wegen des Verdachts der Untreue vor dem Münchner Landgericht verantworten.

Als die Herren den Großen Schwurgerichtssaal betraten (in dem sonst der NSU-Prozess stattfindet), da war dies ein wenig wie ein Klassentreffen. Die sieben bildeten einst die Führungsriege der Bayerischen Landesbank.

Der prominenteste Angeklagte ist Michael Kemmer, der damals Finanzchef und später Vorstandschef der BayernLB war. Heute ist er Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken. Sein ehemaliger Vorstandskollege Gerhard Gribkowsky kommt aus dem Gefängnis zu den Verhandlungen. Er ist zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone Schmiergeld genommen hat. Auch vor dem Kadi: Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten Untreue vor. Sie sollen die Hypo um 550 Millionen Euro zu teuer gekauft und die BayernLB dadurch fast in den Ruin getrieben haben. Vier der Angeklagten müssen sich zudem wegen Bestechung eines Amtsträgers verantworten. Sie sollen dem damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider 2,5 Millionen Euro als Sponsoring für das Wörthersee-Fußballstadion in Klagenfurt gegeben haben, damit er den Verkauf der Hypo ermöglicht.

Dem Prozess war ein juristisches Tauziehen vorangegangen. Richter Joachim Eckert hatte die Anklage zunächst nicht zulassen wollen. Seiner Ansicht nach sei den Bankern juristisch nichts vorzuwerfen. Vielmehr müssten die Mitglieder des damaligen Verwaltungsrates - unter anderem die CSU-Politiker Günther Beckstein und Kurt Faltlhauser - zur Verantwortung gezogen werden.

Doch die Staatsanwaltschaft wehrte sich und erklärte, der Vorstand habe den Verwaltungsrat "arglistig getäuscht". Erst das Oberlandesgericht ordnete den Prozess, der rund 70 Tage dauern wird, an. Die Angeklagten weisen alle Vorwürfe zurück. Exbankchef Schmidt erklärte, er sei überzeugt, dass es ohne die globale Finanzkrise die problematische Entwicklung der Hypo Alpe Adria nicht gegeben hätte. (bau, DER STANDARD, 28.1.2014)

  • Michael Kemmer im Gericht. Er fädelte den Deal als Finanzchef der BayernLB ein.
    foto: apa/epa/peter kneffel

    Michael Kemmer im Gericht. Er fädelte den Deal als Finanzchef der BayernLB ein.

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