Geschlecht bestimmt Erkrankungsrisiko im Mutterleib

27. Jänner 2014, 09:06
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Grazer Wissenschafter untersuchen geschlechtsspezifische Plazentafunktion

Die Plazenta versorgt den Fötus mit wichtigen Nährstoffen und regelt den Gasaustausch sowie die Entsorgung fötaler Exkretionsprodukte. Ein internationales Team von Wissenschaftlern rund um Gernot Desoye, von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Medizinischen Universität Graz, hat nun untersucht, ob und wie das Geschlecht des Fötus die Funktion der Plazenta beeinflusst. Dies könnte eine Erklärung dafür darstellen warum Schwangerschaftsprobleme bei männlichen beziehungsweise weiblichen Föten unterschiedlich häufig auftreten.

Endokrines Versorgungsorgan

Die Plazenta ist ein fötales Organ, welches in die Gebärmutterschleimhaut einwächst und als Hauptversorgungsorgan des Fötus fungiert. "Einerseits übernimmt die Plazenta die zentrale Versorgung des Fötus, sie übernimmt aber auch hormonelle Aufgaben und beeinflusst das Immunsystem der Mutter", sagt Desoye.

Noch wenig erforscht ist derzeit der tatsächliche Einfluss der Plazenta auf das Immunsystem der Mutter. "Die Plazenta beeinflusst das mütterliche Immunsystem derart, dass es das Kind zwar vor Infektionen schützt, gleichzeitig jedoch das Immunsystem daran hindert, die Plazenta beziheungsweise den Fötus als Fremdgewebe abzustoßen", so Desoye. Hier setzen die Forscher an und untersuchen den Einfluss des Geschlechts des Fötus auf die Funktion der Plazenta.

Erhöhtes Risiko männlicher Föten

Das Geschlecht des Fötus beeinflusst die Schwangerschaft maßgeblich. "Während der Schwangerschaft haben männliche Föten ein höheres Sterblichkeitsrisiko und sind auch von Schwangerschaftskomplikationen insgesamt stärker betroffen als weibliche Föten", zählt Desoye die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Entwicklung des Embryos auf. Darum vermuteten die Wissenschaftler geschlechtsspezifische Unterschiede in der Plazentafunktion, reguliert durch die Beeinflussung der Gene in der Plazenta auch das Geschlecht des Fötus.

In der Plazenta übernimmt eine Vielzahl an Genen bestimmte Aufgaben und steuert verschiedene Prozesse. Sowohl in Plazenten von männlichen als auch weiblichen Föten sind grundsätzlich dieselben Gene vorhanden, jedoch ist deren Vorkommen vom Geschlecht des Fötus beeinflusst. "Unsere Untersuchungen haben eindeutig gezeigt, dass die Expression bestimmter Gene stark vom Geschlecht des Fötus beeinflusst wird", erklärt Desoye. Die Genexpression beschreibt, wie ein Gen ein spezifisches Genprodukt (Proteine etc., Anm.Red.) ausbildet. Genprodukte in ihrer Gesamtheit wiederum steuern bestimmte Vorgänge im Körper. "Manche dieser Prozesse sind also essentiell vom Geschlecht des Fötus beeinflusst", so die Wissenschaftler.

Spätere Gesundheitsfolgen

Die daraus resultierende geschlechtsspezifische Funktion der Plazenta begünstigt das erhöhte Risiko für männliche Föten. Hauptsächlich werden biologische Prozesse, wie beispielsweise entzündliche Erkrankungen, aber auch Immunantworten von den geschlechtsspezifischen Genen gelenkt.

Vermehrte entzündliche Prozesse stimulieren die Immunantwort der Mutter gegen die Plazenta und erklären das erhöhte Risiko von Schwangerschaftskomplikationen bzw. spätere Gesundheitsfolgen für die männlichen Föten.

Konsequenzen dieser Ergebnisse für zukünftige Therapien beziehungsweise für den Gesundheitsverlauf im Erwachsenenalter sind derzeit noch nicht ableitbar und werden Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.

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