Manöverkritik nach den Ausschreitungen

26. Jänner 2014, 18:22
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Nach den Krawallen im Zuge der Proteste gegen den Akademikerball kommt Kritik an der FPÖ selbst auf. Diese habe Demos angekündigt, zu denen dann niemand kam, was Polizeikräfte gebunden habe.

Wien - Genaue Angaben zu den Sachschäden will die Wiener Polizei erst im Laufe der Woche machen, wenn alle Meldungen nach den Krawallen bei den Anti-Akademikerball-Protesten vergangenen Freitag bearbeitet wurden. Polizeisprecher Roman Hahslinger geht aber davon aus, dass das Ausmaß bei "mehr als einer Million Euro" liegen wird.

Mit Kosten von etwa einer Million Euro wird zudem der Einsatz von 2000 Exekutivbeamten beziffert, die für die Sicherheit der rund 1500 Besucher des FPÖ-Balls und der 6000 Gäste der angemeldeten Demonstrationen sorgen sollten.

Neben Demos linker Gruppierungen waren auch FPÖ-Kundgebungen angekündigt gewesen; ein Exekutiv-Insider spricht von vier Anmeldungen im Umkreis der Hofburg, zu denen aber niemand gekommen sei: Für den Anwalt und Menschenrechtsexperten Georg Bürstmayr ist das ein "Missbrauch des Demonstrationsrechts durch die FPÖ". Die FPÖ habe so weitere angemeldete Gegendemos verhindert.

Die Polizei will die Lage bei den Ausschreitungen Freitagabend in der Wiener Innenstadt durchwegs im Griff gehabt haben. Bürstmayr sieht das anders: Die Bewachung der umfangreichen Sperrzone durch ein auch aus Bundesländern zusammengeholtes Polizei-Großaufgebot sei ein "taktischer Fehler" gewesen, sagt er. Nachdem es einer kleinen Gruppe gelungen sei, die Sperre zu durchstoßen, habe man erst Kräfte hinbeordern müssen.

"Überraschende" Gewalt

Laut Polizeisprecher Hahslinger kam das "extrem hohe Gewaltpotenzial" der kleinen Gruppe überraschend: "Die sind auch auf Ziele losmarschiert, die nichts mit dem Akademikerball zu tun hatten." Elf Polizeiautos seien zerstört, die Polizeiinspektion Am Hof verwüstet, Schaufenster von Geschäften, Banken und Büros beschädigt worden. Am Sonntag richtete die Wirtschaftskammer Wien für Unternehmer einen Notlagenfonds ein.

Zu der Demo gegen den Ball reisten laut Polizei auch gewaltbereite Mitglieder des autonomen "Schwarzen Blocks" aus Deutschland an. Zwei Busse habe die Polizei kontrolliert, die Weiterfahrt wurde erlaubt. Ein Exekutiv-Insider zieht Verbindungen zu den erfolgreichen Protesten gegen die Schließung des linksalternativen Kulturzentrums "Rote Flora" in Hamburg. Dortige Aktivisten seien vor dem Ball via soziale Netzwerke in regem Austausch mit Wiener Ballgegnern gestanden, mit ein Grund für die rigiden Sicherheitsvorkehrungen.

In diesem Zusammenhang kam Kritik an den Jungen Grünen auf, auf deren Homepage unter dem Titel "Unseren Hass, den könnt ihr haben" Informationen mit Busabfahrtszeiten zur Demo aus Deutschland und Österreich aufschienen. Die Seite wurde inzwischen gelöscht, in einer Stellungnahme bezeichnen die Jungen Grünen die betroffene Domain als eine "unkontrollierte open-campaign-Plattform". An der Akademie der bildenden Künste kritisierte Rektorin Eva Blimlinger die Umstellung des Gebäudes am Freitag. Sie erwarte sich zumindest eine Entschuldigung der Polizei. (Irene Brickner, David Krutzler, DER STANDARD, 27.1.2014)

  • Eine Million Euro Kosten für den Polizeieinsatz bei der Anti-Akademikerball-Demo, eine weitere Million Euro Schaden: So lautet die Bilanz nach den Ausschreitungen am Freitag.
    foto: apa/oczeret

    Eine Million Euro Kosten für den Polizeieinsatz bei der Anti-Akademikerball-Demo, eine weitere Million Euro Schaden: So lautet die Bilanz nach den Ausschreitungen am Freitag.

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